Wann eine stabile Seitenlage durchführen und wann die Wiederbelebung starten? Können Sie diese lebensrettende Frage beantworten?  Das Ablaufschema beim Auffinden einer bewusstlosen Person kennen viele bereits vom Erste Hilfe Kurs zum Führerschein. Doch nachdem der Kurs meistens bereits einige Jahre her ist, frischen wir das Wissen zu diesem Ablaufschema noch einmal auf. Dabei sind die Grundzüge des Ablaufschema in den letzten Jahren gleichgeblieben. Lediglich wurde das Ablaufschema an vielen Stellen vereinfacht.

Das Ablaufschema – so einfach retten Sie ein Leben

Wir gehen mit Ihnen nachfolgenden die einzelnen Schritte des Ablaufschemas durch und sprechen die wichtigsten Punkte noch einmal an. Prägen Sie sich das Handlungsschema gut ein, damit können Sie aktiv ein Leben retten!

Der Eigenschutz im Ablaufschema 

An erster Stelle steht der Eigenschutz. Denn Sie sollten nicht auf eine vollbefahrene Straße rennen, ohne die Unfallstelle abzusichern, weil Sie sich sonst selbst in Gefahr begeben. Auch als Nichtschwimmer sollten Sie nicht in fließendes Gewässer springen, um eine andere Person heraus zu ziehen. Dies würde Sie beide in Gefahr bringen. Der Eigenschutz ist ein viel weitreichenderes Thema. Denn beim Kontakt zu Blut sollten wir Handschuhe tragen, um uns vor übertragbaren Krankheiten zu schützen. Wenn es um die Versorgung einer Person geht, die einen Stromunfall erlitten hat, darauf Acht geben, dass das Kabel nicht mehr unter Strom steht, weil wir uns sonst ebenso in Gefahr begeben. Falls wir mehrere bewusstlose Personen in einem Zimmer finden, denken Sie unbedingt an die unsichtbare Gefahr – das Gas. Denn manche Gase sind farblos, geruchslos und geschmacksneutral. Dadurch würden wir uns selbst in Gefahr begeben, wenn wir das Zimmer betreten. Auch bei unklaren Situationen geht der Eigenschutz immer vor.

Die Person ansprechen

Für das Ansprechen Schütteln wir die Person an den Schultern und sprechen sie verbal an. Falls die Person nun adäquat darauf reagiert, handeln wir situationsbedingt. Je nach Verletzung oder Erkrankung können wir unterschiedliche Maßnahmen ergreifen. Wenn die Person nicht reagiert, somit bewusstlos ist, gilt es unverzüglich die Atmung zu kontrollieren.

Den Atemweg frei machen

Da bei einer bewusstlosen Person die Muskulatur erschlafft, wird der Zungengrund den Atemweg blockieren. Dadurch kann kein Gasaustausch mit der Umwelt stattfinden und die Person erleidet einen Sauerstoffmangel. Wenn dies nicht behoben wird, kommt es zum Herz-Kreislaufstillstand.

Um den Atemweg frei zu machen wird eine Hand auf die Stirn und die andere Hand an das Kinn gelegt. Nun wird beim Erwachsenen der Kopf maximal in den Nacken überstreckt. Damit ist der Zungengrund aus dem Atemweg und die Atmung kann kontrolliert werden. Wichtig: Wenn beim Bewusstlosen der Kopf wieder losgelassen wird, fällt er wieder in die ursprüngliche Position zurück. Deswegen muss der Kopf für die Atemkontrolle festgehalten werden.

Die Kontrolle der Atmung – der entscheidende Schritt im Ablauf

Nachdem der Atemweg frei gemacht wird, wird für max. 10 Sekunden die Atmung kontrolliert. Dafür werden alle Sinne genutzt.

  • Hören – mit dem Ohr nah über Mund und Nase
  • Sehen – Richtung Brustkorb blicken, ob er sich hebt und senkt
  • Fühlen – an der Ohrmuschel wahrnehmen, ob die bewusstlose Person atmet

Unsicherheit bei der Atemkontrolle

Was passiert, wenn wir uns unsicher sind bei der Atemkontrolle? Dies kann gerade dann passieren, wenn es draußen laut ist, die Person viele Kleidungsschichten trägt und wir durch die äußeren Einflüsse es eben nicht genau sagen können. Dann gilt es immer mit der Reanimation zu beginnen. Denn falls die Person nicht bewusstlos war, wird sie wieder aufwachen. Selbst wenn die Person sehr tief bewusstlos ist und es nicht mitbekommt, dass wir mit der Reanimation beginnen, werden maximal die Rippen brechen. Doch diese können heilen.

Falls wir uns die andere Seite ansehen, wir sind uns nicht sicher, drehen die Person in die stabile Seitenlage und es fällt 10 Minuten nicht auf, dass die Person keine Atmung und damit auch keinen Herzschlag hat, wird die Person wahrscheinlich nicht überleben oder nur mit einem Hirnschaden.

Deswegen gilt es, wenn man sich unsicher bei der Atemkontrolle ist, unverzüglich mit der Reanimation zu beginnen.

Die Pulskontrolle in der Ersten Hilfe

Die klassische Pulskontrolle in der Ersten Hilfe wird nicht mehr gemacht. Durch Studien wurde bewiesen, dass es nicht einfach ist die richtige Stelle zu finden und dann auch noch eine Entscheidung zu treffen. Denn um dies adäquat durchzuführen benötigt man hierfür Übung. Deswegen wird die Pulskontrolle nur noch von medizinischem Fachpersonal mit ausreichender Übung im Tasten eines zentralen Pulses gemacht. Denn grundsätzlich gilt, wer regelmäßig atmet hat auch einen Puls. Deswegen wird nur noch die Atemkontrolle im Erste Hilfe Kurs gelehrt.

Die stabile Seitenlage bei Bewusstlosen mit Atmung

Wie die stabile Seitenlage Schritt für Schritt funktioniert ist in diesem Bericht beschrieben. Grundsätzlich müssen für die Seitenlage zwei Sachen gegeben sein:

  • Mund der tiefste Punkt
  • Kopf überstrecken

Die Reanimation bei Bewusstlosen ohne Atmung 

Bei der Reanimation wird unverzüglich der Notruf über die 112 gewählt. Außerdem gilt es die Reanimation auf einem harten Untergrund durchzuführen. Außerdem sollte der Brustkorb entkleidet sein. Die wichtigsten Kennzahlen zur Reanimation eines Erwachsenen sind:

  • Drucktiefe 5-6 cm
  • Geschwindigkeit 100-120 / min
  • Druckpunkt untere Hälfte Brustbein
  • Verhältnis Drücken: Beatmen 30:2

Das Handlungsschema bei Kindern und Säuglingen

Grundsätzlich unterscheidet sich das Handlungsschema nicht bei bewusstlosen Kindern oder Säuglingen. Bei einer vorhandenen Atmung wird auch hier eine Seitenlage bei Kindern und eine „Bauchlage“ bei Säuglingen durchgeführt. Bei fehlender Atmung oder bei Unsicherheit wird auch hier unverzüglich mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen. Einen Unterschied gibt es allerdings doch, beim Übertrecken des Kopfes:

  • Bei Säuglingen bitte bei der Atemkontrolle, Beatmung und Seitenlage auf die Kopf-Neutral-Position achten.
  • Bei Kindern wird bei allen Maßnahmen der Kopf leicht überstreckt.

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