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Ist der Biss einer Kreuzotter giftig oder gar lebensgefährlich? Bei Giftschlangen denken wir meist eher an Cobras oder Klapperschlangen. In Deutschland kennen wir diese giftigen Schlangen auch nur aus dem Zoo. Bei den sechs derzeit noch in Deutschland beheimateten Schlangenarten denkt dagegen kaum einer daran, dass auch unter diesen, zwei giftige Exemplare zu finden sind. Der Biss einer Kreuzotter kann sogar potentiell tödlich sein, aber zum Glück verlaufen die meisten Zwischenfälle eher harmlos. In unserem Artikel findet Ihr alles zum Thema Erste Hilfemaßnahmen, Giftwirkungen und Symptomen bei einem Kreuzotterbiss.

Wie erkenne ich eine Kreuzotter?

Die Kreuzotter, wissenschaftlich als Vipera berus bekannt, ist eine giftige Schlange aus der Familie der Vipern. Sie ist, wie auch die anderen fünf in Deutschland beheimateten Schlangenarten, vom Aussterben bedroht und steht daher unter Naturschutz. Die Kreuzotter ist eine von zwei bei uns vorkommenden Giftschlangen, neben der Aspisvieper, die allerdings nur noch in einem äußerst kleinen Teil des Schwarzwaldes im süddeutschen Baden-Württemberg vorkommt.

Zu erkennen ist sie Kreuzotter meist an ihrer dunklen oder bräunlichen Färbung und einem dunklen Zickzack-Muster auf dem Rücken. Der Kopf der Kreuzotter ist eher länglich-dreieckig und mit einem ebenfalls markanten X- oder V-förmigen Zeichnung versehen. Die Augen weisen eine senkrecht geschlitzte Pupille auf.  Kreuzottern sind in unseren Gefilden in der Regel zwischen 50 und 75 cm lang und 100 bis 200 Gram schwer.  

Wie beim Menschen natürlich auch, lassen sich keine zwei gleichen Kreuzottern in der Natur finden. Sowohl bei Farbe, Form, Länge und Gewicht kann es zu Abweichungen kommen. So kommen auch in Deutschland zum Beispiel schwarze Exemplare der Kreuzotter vor, die dann im allgemeinen als Höllenottern bezeichnet werden. 

Eine Kreuzotter erkennen

Das Bild zeigt die typische dunkle zickzackförmige Muster auf dem Rücken. Der Kopf der Kreuzotter zeigt auch die oben beschriebenen Merkmale.

Verbreitung in Deutschland und Europa

Der Lebensraum der Kreuzotter erstreckt sich über weite Teile Mittel- und Nordeuropas, über Russland bis nach China, die Mongolei und Nordkorea. Somit zählen auch weite Teile Deutschlands sowie Österreichs und der Schweiz zu ihrem Lebensraum.

In Deutschland ist die Kreuzotter vor allem im Norddeutschen Tiefland, den östlichen Mittelgebirgen und in den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg beheimatet.

Lebensraum – wo fühlt sich die Kreuzotter besonders wohl?

Der bevorzugte Lebensraum der Kreuzotter ist kühl und feucht mit möglichst starken Tag-Nacht-Temperaturschwankungen und hoher Luftfeuchtigkeit. Es müssen genügend Versteckmöglichkeiten, Sonnenplätze und ausreichend Windschatten vorhanden sein. Daher ist sie sehr oft in Wäldern, Mooren, auf Wiesen, in alpinem Gelände bis 2500 oder sogar 3000 Metern und feuchten Niederungen zu finden.

Die Kreuzotter gehört zu den tagaktiven Tieren. Somit kommt man in aller Regel nur tagsüber mit ihr in Kontakt. Bei Regen und an schwülwarmen Tagen gilt sie als besonders aktiv, bei Wind zieht sich die Kreuzotter jedoch in ihren Unterschlupf zurück. Den Winter verbringen Kreuzottern in einer mehrmonatigen Kältestarre.

Wie wirkt das Gift der Vipera berus 

Die Kreuzotter produziert ihr Gift, wie alle giftigen Schlangenarten, in speziellen Giftdrüsen und injiziert dieses über ihre spitzen Zähne. Das Gift der Kreuzotter, bei dem es sich übrigens um ein Nervengift handelt, gilt als sehr stark und wird zur Jagd auf Beutetiere genutzt.

Um das Gift für die Jagd nicht zu „verschwenden“, wird die Kreuzotter bei den eh sehr seltenen Verteidigungsbissen in der Regel jedoch gar kein oder nur sehr wenig Gift verwenden. Unter umständen können die Giftspeicher sogar leer sein, wenn die Schlange vorher bei der Jagd war.

Doch bevor eine Kreuzotter zubeißt, muss schon viel passieren. Beispielsweise bei einer massiven Bedrohung oder wenn sie angefasst oder auf sie getreten wird. Im Allgemeinen sind Kreuzottern sehr scheu und treten bei Gefahr sofort den Rückzug an. Sie haben viel mehr Angst vor uns!

Ist der Biss einer Kreuzotter tödlich?

Auch wenn das Gift der Kreuzotter als sehr stark gilt, der Vorrat an Gift ist dabei sehr begrenzt. Ein Biss der Kreuzotter gilt daher im Allgemeinen nur für kranke, Kinder und ältere Menschen als gefährlich.

In der Literatur konnten wir nur einen tödlichen Kreuzotterbiss in den letzten 50 Jahren in Deutschland finden. Jedoch kam es in der Vergangenheit immer wieder zu dokumentierten Fällen, in welchen die Bissopfer stationär in Kliniken behandelt werden mussten. Dies zeigt, dass ein Kreuzotterbiss trotz alledem nicht unterschätzt werden sollte und der Gang zum Arzt obligatorisch ist.   

Anzeichen und Symptome einer Vergiftung

Zwei nebeneinander liegende, punktförmige Bissmarken zeigen die Stelle des Schlangenbisses an. Um diese Bissmarke herum kommt es in der Regel zu einer Schmerzhaften Schwellung der Haut. Weiter kann es zu Bauchbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen kommen. Da es sich bei dem Gift der Kreuzotter um ein Nervengift handelt, kann es in schlimmen Fällen zu Atemnot, Herzbeschwerden, Bewusstseinsstörungen und Schocksymptomatik kommen. Dies kommt jedoch eher selten vor. Im schlimmsten aber wirklich sehr, sehr seltenen Fall kann es zum Tot der gebissenen Person kommen.

Es kann auch vorkommen, dass gebissene gar nicht merken, dass sie von einer Kreuzotter gebissen wurden. Die oben genannten Anzeichen und Symptome müssen nämlich nicht auftreten.

Erste Hilfe Tipp beim Schlangenbiss

Nehmt sofort die Ringe ab. Die Finger können sehr schnell anschwellen.

Maßnahmen und Erste Hilfe nach einem Biss 

  • Das wichtigste Gebot bei der Ersten Hilfe ist immer der Eigenschutz. Bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr und rufen Sie über die Notrufnummer 112 Hilfe.
  • Solange keine Bewusstseinsstörung vorliegt, bietet es sich an den Patienten in eine bequeme Lage zu bringen und die betroffene Körperstelle, in der Regel wird es sich um die Hände, Arme, Füße oder Beine handeln, ruhig zu stellen. Eventuell vorhanden Ringe, Armbänder oder ähnliches sollten aufgrund der drohenden Schwellung soweit möglich entfernt werden. Denken Sie bitte immer auch an den Wärmeerhalt.
  • Sollte es im schlimmsten Fall zu Atemproblemen kommen, sollte eine Lagerung mit erhöhtem Oberkörper zur Erleichterung der Atmung angestrebt werden. Bei Bewusstseinsverlust ist umgehend durch überstrecken des Kopfes zehr Sekunden lang die Atmung zu überprüfen. Bei vorhandener Atmung ist die Person in die stabile Seitenlage zu bringen und die Atmung weiter regelmäßig zu prüfen. Denken Sie auch hier an den Wärmeerhalt. Bei Atemstillstand ist umgehend die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen. 

Mythen rund um den Kreuzotterbiss

Unterlassen Sie unter allen umständen das Abbinden betroffener Körperteile, das Auswaschen und das Aufschneiden oder Aussaugen der Wunde. Diese Maßnahmen kursieren immer noch als Ersthelfermaßnahmen bei Schlangenbissen, führen jedoch zu keiner Verbesserung, sondern ganz im Gegenteil sogar zu einer Verschlechterung des Patientenzustandes.

Weitere Mythen aus der Ersten Hilfe findet Ihr unter dem Link. 

Schlangen-Antivenine, Gegengift und Antidot

Die ärztliche/klinische Behandlung wird sich vor allem auf eine symptombezogene Therapie richten. In kritischen Fällen kann auch eine Therapie mit einem sogenannten Antivernin, also einem Gegenmittel oder auch als „Gegengift“ bekannt, notwendig werden. Die Antivenine sind Antikörper, welche die Giftstoffe im Körper neutralisieren können. Jede Giftschlange benötigt hierbei ihr eigenes Antivenin. Bei einem Kreuzotterbiss wird nur in den seltensten Fällen ein Gegengift benötigt.  

Hier findet Ihr mehr zum Thema Outdoor -und Bergnotfällen 

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