Freitagnachmittag kurz vor Feierabend:

Der Holzfäller arbeitet im Wald, rutscht mit der Motorsäge vom Stamm ab und schneidet sich in das Bein. Ein Szenario, dass man sich gar nicht erst vorstellen möchte. Doch falls dies passieren sollte, gilt es zügig Erste Hilfe zu leisten. Für Blutungen, welche nicht mit einem Druckverband versorgt werden können, gibt es das Tourniquet. Was es Wichtiges bei der Anwendung zu beachten gibt, sowie für wen diese frei gegeben sind steht im folgenden Artikel.

Prophylaxe

Am besten ist es vorsorglich zu arbeiten. Tragen Sie dafür immer Ihre persönliche Schutzausrüstung, auch wenn es heiß ist! Nehmen Sie sich für die Arbeit die Zeit, die sie benötigt und vermeiden Sie es „schnell“ noch was zu machen. Warnen Sie Ihre Kollegen, dass diese ebenso Schutzausrüstung tragen sollen, sodass auch denen nichts passiert.

Aber was ist zu machen, falls das beschrieben Szenario oder eine andere stark blutende Wunde an den Armen und Beinen doch passiert ist?

Gefahren der massiven Schnittverletzung

Die größte primäre Gefahr für den Verletzen ist es, dass er verblutet.  Im Blut sind die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) enthalten. Sie sind die Bestandteile im Körper, die über das Hämoglobin den Sauerstoff transportieren. Der Sauerstoff wird im ganzen Körper für Stoffwechselvorgänge benötigt. Ohne diesen werden die Organe, Gewebe und andere Strukturen absterben. Damit dieser wichtige Bestandteil nicht verloren geht, im nachfolgenden das Vorgehen bei stark blutenden Verletzungen.

Eigenschutz bei stark blutenden Verletzungen

Am wichtigsten ist immer der Eigenschutz. Tragen Sie bei der Wundversorgung Handschuhe. Vermeiden Sie es über die Schleimhäute in den Kontakt mit Blut zu kommen (bsp. Augen / Mund).

Maßnahmen zur Blutstillung

Auf der einen Seite wird die Arterie abgedrückt. Jeder Arm und jedes Bein haben ein großes zuführendes Gefäß, die Arterie. Wenn diese genügend komprimiert wird, stoppt die Blutung. Die Arteria Brachialis (Oberarm) verläuft auf der Innenseite des Oberarms. Diese wird mit 3-4 Finger komprimiert. Die Arteria Femoralis (zuführendes Gefäß für das Bein) wird in der Leiste getastet. Hierbei muss mit 1-2 Händen komprimiert werden, um die Blutung in Griff zu bekommen.

 Auf der anderen Seite wird die Wunde auch noch manuell komprimiert. Greifen Sie dafür ein Stück Stoff und drücken es auf die Wunde. Danach wird ein Druckverband angelegt. Meistens reicht dies, um die Blutung in den Griff zu bekommen bis der Rettungsdienst eintrifft. Falls es weiter blutet und Sie ein Tourniquet zur Verfügung haben, wird es nun angelegt.

Um die Blutung im ersten Moment in den Griff zu bekommen, wird die Arterie Brachialis (Oberarmarterie) oder Arterie Femoralis (Arterie in der Leiste) komprimiert, je nachdem an welcher Stelle die Verletzung ist. Wenn die Arterie zugedrückt ist, kann bei der Verletzung kein oder nur noch weniger Blut heraus laufen.

Wer darf Tourniquets im Erste Hilfe Bereich anwenden?

Die DGUV hat sich bezüglich dieses Themas in der Publikation „Besondere Maßnahmen zur Blutstillung im Rahmen der betrieblichen Erste Hilfe“ geäußert. Dabei dürfen Berufsgruppen mit folgenden Eigenschaften das Tourniquet anwenden:

  • Firmen mit hohem Risiko für lebensbedrohliche Extremitäten Verletzungen (An Armen oder Beinen)
  • Firmen mit hohem Risiko für schwere Schnittverletzungen und außergewöhnlich langer Zeit bis der Rettungsdienst eintrifft (Bsp. Waldarbeiter)

Dabei ist zu beachten, dass die Anwendung regelmäßig geübt werden muss, sodass das Tourniquet ordnungsgemäß angewendet werden kann. 

Richtige Anschaffung

Sie sollten mit dem Betriebsarzt das Material anschaffen und die Mitarbeiter einmal im Jahr darauf unterweisen. Dadurch wissen die Mitarbeiter wie es richtig anwendetet und somit auch das gewünschte Ergebnis (Die verletzte Person verblutet nicht) erreicht wird.

Da es inzwischen viele kostengünstigere Produkte gibt hier ein paar wichtige Hinweise für den richtigen Kauf:

  • die Mindestbreite sollte 4 cm betragen
  • empfohlenes Produkt kaufen (die günstigen Produkte können brechen, bevor sie den gewünschten Effekt -die Blutung stoppt- erreichen)

Anlage von Tourniquet

  • Eine Handbreit oberhalb der Verletzung müssen Sie das Tourniquet auf die direkte Haut anlegen, da es durch Kleidung eventuell verrutschen würde. Dabei sollte sich der Stab zum Spannen auf der Außenseite der Extremität befinden, dadurch können Sie ihn besser zum Spannen erreichen.
  • Das Tourniquet darf nicht auf Gelenken, Fremdkörpern und offenen Frakturen platziert werden. Falls es sich um einen der genannten Fälle handelt, legen Sie das Tourniquet etwas näher an den Körperstamm an.
  • Nach dem Anlegen um die Extremität, das Ende durch die Schlaufe führen und fest anziehen (Vorstraffen)
  • Das richtige Vorstraffen ist sehr wichtig, damit die Blutung stoppen wird. Falls nicht richtig vorgestrafft wird, kann das Tourniquet nicht genügend gespannt werden.
  • Nach dem Straffen den Stab drehen bis die Blutung aufhört und in die dafür vorhergesehene Halterung einhängen.
  • Wenn die Blutung nicht aufhört und Sie ein zweites Tourniquet zur Verfügung haben sollten, dieses direkt oberhalb, somit näher am Körperstamm im Vergleich zum Ersten, anlegen.

Wichtig beim Anlegen des Tourniquets ist es darauf zu achten, dass es oberhalb der Verletzung angelegt wird. Außerdem ist es gut vorzustraffen, sodass effektiv abgebunden werden kann.

Wichtige Hinweise

Sie müssen ständig weiter kontrollieren, ob die Verletzung wieder zu bluten anfängt. Durch den massiven Blutverlust kann der verletzen Person schwindlig oder sie auch bewusstlos werden. Damit dies nicht passiert, sollte die Person vorsorglich flach auf den Boden in die Schocklage gebracht werden. Durch das Hinlegen wird der Blutdruck wieder steigen. Dadurch kann die Blutung erneut anfangen zu bluten, da die Spannung des Tourniquets nicht mehr reicht. Dann noch einmal nach spannen oder ein zweites Tourniquet verwenden.

Selbes gilt bei der Volumengabe über einen intravenösen Zugang durch den Betriebsarzt, da dieser mit der Infusionslösung den Blutdruck steigern wird. Deswegen sollte die Verletzung ständig weiter beobachtet werden und bei einer Lageänderung neu evaluiert werden. Ein richtig angelegtes Tourniquet verursacht massive Schmerzen. Auch wenn es dem Verletzen Schmerzen bereitet, sollte das Tourniquet genügend zugedreht werden, um die Blutung zu stoppen.

Regelmäßige Übungen und Unterweisungen sind sehr wichtig, damit es in dem Notfall vom Mitarbeiter richtig angewandt werden kann!

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