MEDINSTRUKT > Der Kindernotfall – die Besonderheiten bei Kindern

MEDINSTRUKT > Der Kindernotfall – die Besonderheiten bei Kindern

Ein Kindernotfall ist zum Glück selten und sie machen in Deutschland nur circa 5% der Rettungsdiensteinsätze aus. Dennoch stellt es alle Betroffenen vor eine große Herausforderung. Dabei stellt sich die Frage, worin unterscheidet sich ein Kindernotfall von Notfällen im Erwachsenenalter? Wir möchten Ihnen die größten Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen aufzeigen.  

Kinder und Erwachsene unterscheiden sich im Notfall

Bei Kindern gilt, dass sie nicht als kleine Erwachsene zu behandeln sind. Dies zeigt sich besonders, wenn es zu einem Kindernotfall kommt. Die physiologischen und anatomischen Unterschiede sind teilweise enorm und je kleiner das Kind ist, desto größer sind die Unterschiede. Auch treten bei Kindern teilweise andere Krankheiten auf, beziehungsweise haben Krankheiten einen ganz anderen Verlauf.

Auch aus psychologischer Sicht reagiert ein Kind ganz anders auf einen Notfall. So kommt es bei kleinen Kindern viel schneller zu einem posttraumatischen Belastungssyndrom als bei einem Erwachsenen. Gerade wenn es zu einem schweren und bedrohenden Notfall kommt. Selbst eine kleine Blutung kann bei einem Kleinkind schnell Angst, Hilflosigkeit und das Gefühl allein gelassen zu werden auslösen.

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Was sind typische und häufige Kindernotfälle?

Viele Kindernotfälle treten nur bei Kindern auf und kommen beim Erwachsenen gar nicht mehr vor. Da Kinder selten an schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, sind Traumata mit eine der meisten Notsituationen bei schweren Kindernotfällen.  

  • Fieberkrampf – einer der häufigsten Notfälle bei kleinen Kindern. Der Altersgipfel liegt bei 18 Monaten und die Wahrscheinlichkeit nimmt ab dem sechsten Lebensjahr deutlich ab.
  • Pseudo Krupp – gerade im Winter und Herbst ein häufiges Notfallbild. Ab circa 24 Monaten sinkt die Wahrscheinlichkeit, weil die Atemwege einen deutlich größeren Durchmesser haben.
  • Fremdkörper ersticken – wird leider schnell lebensbedrohend. Sobald sich die anatomische Engstelle verändert, sinkt die Gefahr an einem Fremdkörper zu ersticken. Erst im hohen Alter nimmt die Gefahr wieder zu.
  • Vergiftungen – kleine Kinder erkunden ihre Umwelt mit dem Mund. Nicht selten führt dies zu einer Vergiftung. Hier kann durch eine gute Prävention viel verhindert werden
  • Traumatologische Notfälle– sind leider auch die häufigste Todesursache bei Kindern. Besonders Kopfverletzungen passieren schnell und gehäuft. Durch Stürze kann es auch zu Knochenbrüchen und Gelenksverletzungen kommen.

Säuglinge und Kleinkinder atmen durch die Nase

Hier gibt es leider eine unvorteilhafte Kombination, da Kinder in diesem Alter anfälliger für Infekte der oberen Atemwege sind und durch das kleine Lumen der Nase vor allem atmen. Eine verstopfte Nase führt somit schnell zu einem deutlich erhöhten Atemwegswiderstand. Als Eltern merkt man schnell, dass das Kind Probleme bei der Atmung hat, weil es schwerer geht als sonst. Dabei kann das Kind bei bedrohlichen Infekten gar regelrecht an der schweren Atmung erschöpfen.

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Sauerstoffmangel wird schnell gefährlich

Der Stoffwechselumsatz ist bei kleinen Kindern stark erhöht. Viele Organe haben einen hohen Sauerstoffbedarf, allen voran das Gehirn. Da sich das Nervensystem noch in der Entwicklung befindet, kann ein Sauerstoffmangel schnell zu Folgeschäden führen. Deshalb sollte jede Atemnot bei Kindern wirklich ernst genommen werden und man sollte sich auf Notfälle, wie das Fremdkörper ersticken, vorbereiten.

Babys und Kleinkinder kühlen besonders schnell aus

Je kleiner die Kinder sind, desto größer ist die Körperoberfläche in Bezug auf das Körpergewicht. Dieser Umstand führt dazu, dass kleine Kinder und Babys immens schnell auskühlen. Auch besitzen sie ein dünneres Unterhautfettgewebe. Dies begünstigt zusätzlich das Auskühlen.

Bei Babys und Kleinkindern merkt man nur sehr schwer, dass sie frieren. Denn bei Erwachsenen setzt das sogenannte Kältezittern ein. Durch die Muskelkontraktionen produziert der Körper zusätzliche Wärme. Dieser physiologische Mechanismus fehlt bei den kleinen Kindern. Sie produzieren die zusätzliche Wärme im sogenannten braunen Fettgewebe. Allerdings erschöpfen diese Reserve schnell. Durch das fehlende Kältezittern bemerken wir eine Unterkühlung vielleicht zu spät.

Bei Neugeborenen kann eine Unterkühlung sogar eine lebensbedrohliche Unterzuckerung zur Folge haben. Das braune Fettgewebe „verstoffwechselt“ besonders schnell den Blutzucker. Je mehr der Körper gegen den Temperaturverlust arbeitet, desto mehr sinkt der Blutzuckerspiegel.

Fazit: Babys und Kleinkinder immer warmhalten, ohne diese zu überhitzen. Außerdem sollte bei einem Kindernotfall besonders Augenmerk auf dem Wärmeerhalt gelegt werden.

Große Zunge und enge Bronchien

Die Zunge ist im Verhältnis zum Körpergewicht und zur Körpergröße eines Erwachsenen viel größer. Dieser Umstand kann gerade beim bewusstlosen Kind schnell zum Problem werden. Je größer die Zunge ist, desto schneller und leichter ist der Atemweg verlegt. Deswegen bei der stabilen Seitenlage (Kind hat noch Atmung) immer darauf achten, dass der Atemweg frei ist.

Sie kennen alle die dicken und die ganz dünnen Strohhalme. Genauso können Sie sich den Unterschied zwischen den Luftröhren vorstellen. Gerade kleine Kinder haben sehr enge Luftröhren und die geringste Schleimhautschwellung innerhalb dieser kann zu Atemnot führen. Hier wäre ganz klassisch der Pseudo Krupp zu nennen. Auch ein Asthmaanfall kann bei kleinen Kindern viel schneller bedrohlich werden. Die Bronchien haben dementsprechend einen viel kleinen Durchmesser.

Die verflixte Engstelle beim Fremdkörper

Bei uns Erwachsenen liegt die engste Stelle über halb vom Kehlkopf. Daher ist es für uns relativ einfach einen Fremdkörper effektiv ab zu husten. Bei Kindern bis circa 10 Jahren liegt die engste Stelle unterhalb vom Kehlkopf. Sie wird vom sogenannten Ringknorpel gebildet. Durch diese anatomische Besonderheit kommt es schnell zum lebensbedrohlichen Fremdkörper ersticken.

Ein entgleister Wasserhaushalt führt schnell zu einem Kindernotfall

Bei Kindern kann es auch bezüglich des Wasserhaushaltes zu Notfällen kommen. Besonders Kleinkinder und Säuglinge sind in diesem Bereich sehr anfällig. Kleine Veränderungen können schon dazu führen, dass alles aus den Fugen gerät und es zu einem Notfall kommt.

Eine Funktion der Niere ist es die sogenannten harnpflichtigen Subtanzen (Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin) aus dem Körper zu schleusen. Bei Babys und kleinen Kindern wird deutlich mehr Wasser zum Ausscheiden benötigt. So führt ein Flüssigkeitsverlust schnell zu einer bedrohlichen Dehydratation. Als Erwachsener stecken wir einen starken Durchfall oder Erbrechen in der Regel gut weg. Bei Babys führt dies schnell „zum austrocknen“.

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Bei Beschwerden und Symptomen wenden Sie sich bitte persönlich an einem Arzt. Bei bedrohenden Notfällen rufen Sie bitte unverzüglich unter der 112 den Rettungsdienst.