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Draußen hat es unfassbar schönes Wetter und das Thermometer steigt auf 30°C an. Nun gehen die meisten nach der Arbeit und der Schule an den See oder in das Schwimmbad zum planschen und schwimmen. Eine heimtückische Gefahr des kühlen Nasses ist für unsere kleinen Kinder, dass sie Ertrinken können. Ein Ertrinkungsunfall kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Leider lauert die Gefahr nicht nur im Schwimmbad oder am See, sondern bereits daheim gibt es sehr viele Gefahren für die Kleinkinder. Unser Beitrag soll helfen einen Ertrinkungsunfall zu vermeiden und gibt einen Überblick über die Arten des Ertrinkens.

Der klassische Ort für einen Badeunfall –  Seen, Flüsse und Schwimmbäder

Teilweise können 50 % der Kinder nach der Grundschule nicht sicher schwimmen. Außerdem verlassen sich viele Eltern vor dem Schwimmkurs auf Schwimmhilfen. Nur leider können Schwimmflügel undicht sein und über die Zeit an Luft verlieren und damit kann das Kleinkind ebenso ertrinken. Auch ein Schwimmgürtel ist kein sicherer Schutz, denn das Kind kann beim Toben und Spielen auch herausrutschen. Wasserspielzeug wie Tiere oder Luftmatratzen oder gar aufblasbare Ringe bieten keine Sicherheit dafür, dass das Kind darauf sitzen bleibt und nicht ins Wasser fällt. Gerade am Wochenende sind Badeseen sehr voll und die Eltern können schnell Ihre Kinder aus den Augen verlieren. Daher lassen Sie sich niemals am Badesee ablenken!

Egal wie tief das Gewässer ist, es geht immer eine Gefahr für einen einen Ertrinkungsunfall aus. 

Wellen können besonders heimtückisch sein, da sie die Kinder ins Wasser ziehen. Wenn ein großer Tanker vorbei fährt, wird auch ein ruhiges Meer hohe Wellen schlagen.

Unterschätzte Gefahr – auch im Haushalt können Kleinkinder ertrinken

Wenn von dem Ertrinken bei Kleinkindern geredet wird, denken viele immer, dass das nur im Sommer am See passieren kann und nicht im Haushalt. Nur leider gibt es bereits daheim sehr viele Gefahren für die kleinen Nichtschwimmer. Sie lassen sich Zuhause eine Badewanne ein und der Paketdienst klingelt an der Türe. Sie möchten nur kurz das Paket annehmen, jedoch ist in der Zwischenzeit das Kind ins Badezimmer gelaufen. Der Badeschaum schimmert und glitzert so schön und beim Vornüberbeugen fällt das Kind in die Badewanne. Bis Sie zurück ins Badezimmer gehen, sind 3-4 Minuten vergangen, jedoch reicht auch hier die Zeit zum Ertrinken aus. Lassen Sie niemals die Badewanne unbeaufsichtigt und schützen so Ihr Kind vor einem Ertrinkungsunfall. Auch das Spielen im Garten bieten für die Jüngsten einige Gefahren. Die Regentonne im Garten ist nur ein Beispiel davon. Wenn das Kind sich vornüberbeugt, um reinzusehen, kann es das Gleichgewicht verlieren und kopfüber hineinfallen. Da die Proportionen bei Kindern noch unterschiedlich zum Erwachsenen sind, ist der Schwerpunkt des Körpers deutlich höher als beim Erwachsenen. Selbst die Pfütze stellt eine potenzielle Gefahr dar. Denn wenn das Kind von der Schaukel stürzt und in eine Pfütze fällt, kann eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit zum Ertrinken in der Pfütze führen.

Nicht nur die Badewanne ist eine potentielle Gefahr, sondern auch die Regentonne im Garten und selbst die Pfütze kann gefährlich werden.

Kleinkinder ertrinken leise und unbemerkt

Viele denken immer, dass wenn jemand am ertrinken ist, wird er rufen, schreien und mit den Armen rudern. Das wird vielleicht der Erwachsene machen, aber leider gehen Kinder meistens einfach unbemerkt unter. Denn bei Kleinkindern zieht sich durch einen Schutzmechanismus des Körpers die Stimmritze zusammen, dass kein Wasser in die Lunge kommt. Dadurch jedoch kann der Mensch nicht mehr schreien. Außerdem sind viele vor allem im Säuglings- und Kleinkindalter noch nicht motorisch dazu entwickelt mit den Armen zu rudern, sich koordiniert zu bewegen, adäquat auf die Situation zu reagieren oder auf sich aufmerksam zu machen. Gehen Sie auch nicht davon aus, dass es den Badegästen in unmittelbarer Nähe auffällt. Es gibt leider immer wieder negative Beispiele, bei denen ein Kinder im Schwimmbad direkt neben Erwachsenen ertrunken ist.

Beim Ertrinken machen Kleinkinder nicht durch wedeln der Arme und Rufen auf sich aufmerksam, denn die meisten Kleinkinder ertrinken leisen.

Das trockene und das feuchte Ertrinken – Das primäre Ertrinken

Für das trockene Ertrinken ist der Tauchreflex entscheiden. Der Tauchreflex ist vor allem bei Säuglingen noch sehr ausgeprägt. Der Kontakt mit Wasser im Gesicht führt dazu, dass es zum Atemstillstand kommt, der Herzschlag sich verlangsamt und sich der Blutkreislauf zentralisiert, um den Sauerstoffverbrauch im Körper zu minimieren. Je älter die Kinder werden, desto weniger ist der Tauchreflex vorhanden. Jedoch lässt sich dieser auch trainieren und wieder mehr ausprägen. Dies nutzen beispielsweise Apnoetaucher. Durch den Verschluss der Stimmritze und dem Atemstillstand kommt es zur Sauerstoffunterversorgung und damit am Schluss zum Ersticken, ohne dass das Kind überhaupt Wasser eingeatmet hat.

Im Gegensatz dazu steht das feuchte Ertrinken. Dabei wird Wasser verschluckt und es kommt zur Aspiration (dem Einatmen von Flüssigkeiten) in die Lunge. Erwachsene werden hierbei dann einen Überlebenskampf zeigen. Kinder können jedoch in eine Schockstarre verfallen.

Das zweite Ertrinken – Sekundäres Ertrinken

Einige haben bereits in dem Bezug auf das Ertrinken auch vom zweiten Ertrinken gehört. Dieses Ertrinken kann Minuten bis Stunden nach dem Vorfall beim Baden auftreten. Bei dem sekundären Ertrinken kommt es zu einem Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge) nach dem Einatmen von Wasser. Durch das Lungenödem oder einer Entzündungsreaktion ist der Sauerstoffaustausch in der Lunge gestört und der Sauerstoffmangel kann ohne Behandlung auch Stunden später noch zum Tod führen. Treten nach dem Badeunfall, obwohl sich das Kind von dem Badeunfall gut erholt hat und eine Zeit lang keine Symptome hatte, folgende Symptome auf

  • Husten
  • Atmet ungewöhnlich
  • teilnahmslos oder verändert wirkt
  • blaue Lippen (Zyanose)

sollte das Kind unbedingt in einer Notaufnahme vorgestellt werden.

Eigenschutz bei der Rettung

Falls Sie in die Situation kommen, dass Sie mitbekommen wie ein Kind ertrinkt, gilt trotzdem die Einhaltung des Eigenschutzes. Falls Sie selbst nicht schwimmen können, gehen Sie bitte nicht in tiefe Gewässer, in denen Sie nicht stehen können, sondern machen andere Personen auf die ertrinkende Person aufmerksam. Selbst als guter Schwimmer sind fließende Gewässer eine Gefahr, gerade in Wehrbereichen entstehen massive Kräfte, die Sie schwer einschätzen können. Wenn für Sie die Möglichkeit besteht, holen Sie das Kind aus dem Wasser.

Erste Hilfe beim Ertrinkungsunfall

  • Sprechen Sie das Kind an
  • Beruhigen Sie das wache Kind
  • Setzen Sie das wache Kind auf und wählen Sie unverzüglich den Notruf
  • Wenn das Kind beim Ansprechen nicht reagiert: Atemkontrolle
  • Falls das bewusstlose Kind atmet: Seitenlage
  • Sollte das bewusstlose Kind nicht atmen: Reanimation
  •  Falls das Kind bewusstseinsgetrübt ist, aber noch atmet > seien Sie großzügig mit der Seitenlage

Ablaufschema beim Ertrinkungsunfall

Reanimation nach einem Ertrinkungsunfall

Wenn das Kind nach einem Badeunfall einen Herz-Kreislauf-Stillstand hat und Sie eben feststellen, dass das Kind nicht mehr atmet, wird unverzüglich mit der Wiederbelebung angefangen. Zuerst sollten Sie das Kind fünf Mal beatmen. Danach wird 30 Mal der Brustkorb komprimiert und dann zweimal beatmet. Dies erfolgt im Wechsel. Nach zwei Minuten können wir uns von einem anderen Ersthelfer ablösen lassen. Wichtig ist, dass die Unterbrechungen so klein wie möglich gehalten werden. Mit der Reanimation wird aufgehört, sobald der Rettungsdienst die Situation übernimmt oder wir Lebenszeichen sehen. Zum Beispiel fängt das Kind an sich zu bewegen oder zu Husten.

Ablaufschema der Reanimation nach einem Ertrinkungsunfall

Warum ist die Beatmung bei der Reanimation wichtig?

Da meistens der Sauerstoffmangel die Ursache für den Herz-Kreislauf-Stillstand ist, sollten wir das Kind beatmen. Denn nur durch die Beatmung wird genügend frischer Sauerstoff in den Organismus gebracht und durch die Kompression zirkuliert. Denn wenn kein neuer Sauerstoff in die Person gebracht wird, kann nicht der Herz-Kreislauf-Stillstand behoben werden.

Prävention des Badeunfalls

Das wichtigste Mittel gegen das Ertrinken von Kindern ist die Prävention. Säuglinge und Kleinkinder sollten niemals unbeaufsichtigt (nicht mal einige Minuten) in der Nähe von Wasser spielen, egal wie tief das Wasser ist, da bereits einige cm ausreichen um ertrinken zu können. Außerdem sollten Sie sich nicht auf Schwimmhilfen verlassen werden, sondern den Kindern frühzeitig das Schwimmen beigebracht werden. Achten Sie darauf:

  • Die Regentonne regelmäßig zu entleeren
  • Vor allem Kleinkinder nicht unbeaufsichtigt lassen
  • Die Badewanne mit Wasser nicht aus den Augen lassen (nicht mal zwei Minuten)
  • Der Teich oder Pool im Garten mit einem Zaun sichern
  • Nach Regentagen im Garten auf Pfützen achten, wenn die Kinder zum Spielen gehen

Ab wann kann ich meinem Kind schwimmen beibringen?

Sie können bereits im Säuglingsalter dem Baby den Kontakt zum Wasser näherbringen. Damit wird bereits ein erster Kontakt aufgebaut und die Hemmschwelle vor dem Wasser ist niedriger. Ab drei Jahren werden bereits die ersten Eltern-Kind-Kurse angeboten. Dabei wird noch mehr die Angst vor dem Nass genommen und die Kinder lernen bereits das paddeln im Wasser. Ab vier Jahren können Kinder bereits Schwimmbewegungen im Wasser vollziehen. Jedoch ist in diesem Alter die Konzentrationszeit noch nicht sehr lange. Das optimale Alter um adäquat Schwimmen zu lernen, ist fünf Jahre , denn dann können gezielte Bewegung gemacht werden und die Konzentration dafür ist gegeben.

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