Brennende Personen kommen sehr selten vor, in Brand geratendes Fett oder Speiseöl in heimischen Küchen oder in Fritteusen der Gastronomie führen dafür umso häufiger zu Einsätzen für die Feuerwehren. Im schlimmsten Fall, vor allem wenn das falsche Löschmittel bei Fettbränden eingesetzt wird, kann es sogar zu einer Kombination beider Ereignisse kommen.

Befragt man Personen zu eben solchen Situationen, würden die meisten wohl angeben, dass sie zur Decke oder Löschdecke greifen würden. Doch ist dies immer der richtige Weg? Neueste Erkenntnisse zeichnen ein anderes Bild. Wir zeigen Ihnen, was Sie zur Löschdecke in der Brandbekämpfung wissen müssen.

Was ist eine Löschdecke

Eine Löschdecke, oder auch Feuerlöschdecke, ist eine aus brandhemmenden Materialien bestehende Decke. Sie zählt zu den Kleinlöschgeräten und wird hauptsächlich zum Ablöschen von Entstehungsbränden verwendet. Als brandhemmende Materialien zur Herstellung von Löschdecken wird heute zum Beispiel Nomex (flammhemmendes Aramidgewebe), flammhemmend behandelter Wolle oder Glasfasern verwendet. In früheren Zeiten fand auch das heute aufgrund seiner nachgewiesenen Gesundheitsgefahr verbotene Asbest Anwendung.

Funktionsweise

Ein Feuer entsteht immer dann, wenn Brennstoff, Sauerstoff und eine entsprechende Zündtemperatur im richtigen Verhältnis zusammenkommen. Um ein Feuer löschen zu kommen, ist es notwendig dem Feuer mindestens eines dieser Komponente zu entziehen, zum Beispiel durch ersticken. Dabei wird dem Feuer der Sauerstoff entzogen und es erlischt. Diesen Umstand macht man sich auch bei der Löschdecke zunutze. Richtig eingesetzt, erstickt diese die Flammen. Dazu muss die Löschdecke luftdicht über das Feuer ausgebreitet werden, um den Sauerstoff vom Brennstoff zu trennen.

Einsatzspektrum einer Löschdecke

Löschdecken werden in verschiedenen Größen angeboten, dennoch ist der Einsatz einer Löschdecke stark begrenzt. Um ein Feuer durch eine Löschdecke ersticken zu können, muss diese den Brandherd komplett luftdicht abschließen beziehungsweise abdecken. Ein effektiver Einsatz ist nur bei brennbaren Feststoffen und Flüssigkeiten gegeben. Daher eignet sich eine Löschdecke nur zum Ablöschen kleinerer Flächenbrände, welche schnell durch Personen oder Brandmelder entdeckt werden können. Die Fläche des Brandes muss wesentlich kleiner als die Löschdecke sein. Ein brennender PC zum Beispiel ist mit einer herkömmlichen Löschdecke schon nicht mehr beherrschbar.

Gefahren bei der Anwendung in der Küche

Das Ablöschen von in Brand geratenem Speisefett, nicht nur in der heimischen Küche, sondern auch in der Gastronomie, galt lange Zeit neben dem Ablöschen von brennenden Personen, als Einsatzspektrum Nummer eins für die Anwendung von Löschdecken. Neueste Wissenschaftliche Erkenntnisse und Tests haben jedoch ergeben, dass der Einsatz von Löschdecken in diesen Situationen ungeeignet ist und sogar gefährlich sein kann. Dies führte sogar zum Rückzug der entsprechenden DIN-Norm, denn diese DIN-Norm entsprach nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik.

So schlugen bei Löschversuchen der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe mit einer Löschdecke bei brennendem Speisefett in Fritteusen Flammen durch die Löschdecke und es kam sogar zur weiteren Brandausbreitungen unter der Löschdecke.

Das kann aufgrund von Flammen, Hitze, hochgiftigem Brandrauch sowie dem heißen Speisefett oder auch der heißen Pfanne beziehungsweise Fritteuse zu erheblichen Verletzungen führen.

Gefahren bei der Anwendung bei brennenden Personen

Beim Ablöschen von brennenden Personen besteht beim Einsatz von Löschdecken eine zusätzliche, noch höhere, Verletzungsgefahr für die betroffene Person. Nachdem Sie mit der Löschdecke zuerst komplett umwickelt wird, muss diese anschließend fest auf den Körper gedrückt werden. Beim festen Andrücken der Löschdecke würden glühende Bekleidungsteile fester an oder sogar in die Haut gedrückt werden.

Die die Löschdecke anwendenden Personen sind im Falle eines Löschversuches durch die Nähe zum Brandherd einer erheblichen Gefahr durch Hitze, Flammen und hochgiftigen Brandrauch ausgesetzt.

Beim Ablöschen von brennenden Personen kommt zusätzlich noch die Verletzungsgefahr durch die in Panik geratenden brennenden Personen hinzu, welche instinktiv versucht zu flüchten und sich gegen die Löschdecke zu wehren.

Alternativen zum Einsatz einer Löschdecke

Bei richtiger Anwendung wird als Alternative zur Löschdecke der Einsatz von geeigneten Feuerlöschern empfohlen.

Einsatz in der Küche

Für den Einsatz in der Küche stehen spezielle Feuerlöscher der Brandklasse F zur Verfügung. Die Brandklasse F umfasst brennbare Speiseöle und -fette. Wasser oder andere Feuerlöscher auf Wasserbasis wie Wasser- oder Schaumlöscher dürfen bei Fettbränden unter keinen Umständen eingesetzt werden. Das Löschen von Fettbränden mit Wasser kann zu einer Fettexplosion und zur schlagartigen Ausbreitung des Brandes, sowie zu schwersten Brandverletzungen und nicht selten zum Tod der löschenden Person führen.

Einsatz bei brennenden Personen

Auch beim Ablöschen brennender Personen wird heute der Einsatz von Feuerlöschern empfohlen. Diese sind bei korrekter Anwendung eine schnelle und effektive Möglichkeit der Brandbekämpfung ohne zusätzliche Gefährdung des Helfers. Hierzu müssen einige Sicherheitsmaßnahmen beachtet werden:

  • Mindestabstand 2 – 3 Meter zur brennenden Person
  • Aufbringen von Löschmittel im Gesicht unbedingt vermeiden
  • Erst den Oberkörper ablöschen, um das Gesicht vor Flammen zu schützen, dann den Körper weiter nach unten und zu den Seiten ablöschen

Brennende Person – Gefahren beim Einsatz von CO2-Feuerlöschern

Sollte nur ein CO2– Löscher zur Verfügung stehen, ist zusätzlich darauf zu achten, dass der Abstand aufgrund des flüchtigen Löschmittels auf ca. 1,5 m verringert werden muss. Das Aufbringen des Kohlenstoffdioxids darf aufgrund der sehr niedrigen Temperaturen von ca. minus 70 Grad Celsius nicht länger auf ein und dasselbe Körperteil erfolgen. Es besteht sonst die akute Gefahr von Erfrierungen. Aufgrund der Erstickungsgefahr durch die sauerstoffverdrängende Wirkung des Kohlenstoffdioxids ist vor allem in geschlossenen Räumen auf eine ausreichende Belüftung zu achten.

Trotz der zusätzlichen Gefahren ist beim Fehlen eines geeigneteren Feuerlöschers der Einsatz eines CO2-Löschers immer noch besser geeignet als eine Löschdecke.

Allgemeine Verhaltensregeln in Brandfällen

Egal ob im Betrieb oder in den eigenen vier Wänden, Sie sollten sich in Ihrem eigenen Interesse grundsätzlich an einige Verhaltensregen halten:

  • Bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr!
  • Wenn Sie Hilfsmittel, wie Löschdecken oder Feuerlöscher einsetzten, halten Sie sich an die Sicherheitshinweise der Hersteller! Machen Sie sich schon vorher damit vertraut, um im Ernstfall schnell und sicher handeln zu können!
  • Warnen Sie Ihre Mitarbeiter oder Mitbewohner vor der Gefahr!
  • Rufen Sie immer den Notruf 112! Auch ein vermeintlich gelöschtes Feuer kann wieder aufflammen und erneut zu einer Gefahr werden. Die Feuerwehr rückt lieber einmal zu viel als einmal zu spät an. Befolgen Sie unbedingt die Anweisungen der Leitstelle, der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und/oder der Brandschutzfachkraft/des Brandschutzbeauftragten in Ihrem Betrieb.

Leisten Sie verletzten Personen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Erste Hilfe.

Fazit

Als Fazit lässt sich somit feststellen, dass der Einsatz von Löschdecken, vor allem im betrieblichen Bereich, ungeeignet und gefährlich ist. Die Rücknahme der entsprechenden Normen unterstreicht dies deutlich. Greifen Sie daher auf alternative Möglichkeiten zurück.

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