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Jeder von uns kennt die schönen Pflanzen, welche gerne im Schatten von Bäumen wachsen. Sie sind nicht nur schön anzuschauen, sondern leider auch giftig. Schnell kann es zu einer Verwechslung mit dem beliebten Bärlauch und somit zur Vergiftung mit Maiglöckchen kommen. Die roten Beerenfrüchte sehen verführerisch aus und haben gerade für Kinder eine hohe Anziehungskraft.

Wissenswertes und Hintergrundinformation

Das Maiglöckchen gehört zu den Spargelgewächsen und erreicht eine Höhe von circa 30 Zentimetern. Pro Pflanze bilden sich zwei bis drei grüne Blätter aus. Zwischen März und Mai treibt eine traubenförmige Blütenrispe aus. Die Zeit der Blüte und die glockenförmige Blüte geben dem Maiglöckchen seinen Namen. Ab Juni bilden sich rotleuchtende und giftige Fruchtkörper aus.

Das Maiglöckchen kommt überall in Deutschland vor. Dabei ist es bis circa 2000 Höhenmetern in den Bergen zu finden. Die Pflanze wächst gerne im Halbschatten von Bäumen.

Früher wurde sie als Heilpflanze bei Herzschwäche und Wassersucht verwendet. Hier lagen die Gelehrten im Mittelalter vollkommen richtig, da die Pflanze viele Herzglykoside enthält und somit bei Herzinsuffizienz und daraus resultierenden Ödemen hilft. Wegen der giftigen Komponenten ist die Verwendung heutzutage obsolet.

Giftigkeit und Wirkung des Giftes

Das Maiglöckchen wird als stark giftig eingeteilt. Alle Pflanzenteile sind giftig, aber vor allem die Blüten und die Früchte haben einen besonders hohe Giftkonzentration. Die Pflanze enthält vor allem sogenannte Herzglykoside. Dabei können über 38 verschiedene hier nachgewiesen werden. Daneben enthält die Pflanze noch weitere Gifte, die in ihrer Wirkung nicht so gravierende Folgen haben.

Herzglykoside wirken, wie der Name bereits vermuten lässt, vor allem am Herzen. Die Wirkung ist von Mensch zu Mensch sehr variabel. Jedoch können besonders herzkranke Personen schwer betroffen sein. Genauso Patienten mit Niereneinschränkung, da die Giftstoffe über die Niere eliminiert werden. Herzglykoside hemmen einen Transporter (die Natrium-Kalium-ATPase) in der Herzmuskelzelle. Deswegen können  hieraus Herzrhythmusstören entstehen.

Der Bärlauch sieht dem Maiglöckchen sehr ähnlich. Hier kann es schnell zu einer Verwechslungen kommen. Achten Sie vor allem auf die unterschiedlichen Blüten und auf den knoblauchartigen Geruch beim Bärlauch.

Symptome und Anzeichen einer Vergiftung

Die Giftstoffe können bereits über die Mundschleimhaut resorbiert werden. Allerdings erfolgt der große Anteil der Giftaufnahme über das Darmlumen. Zum Glück hat das Gift eine schlechte Bioverfügbarkeit. Das heißt das nur circa 10% des Giftes in den Körper gelangen. Die schwere Resorbierbarkeit schützt uns zum Glück. Deswegen kommt es selten zu lebensbedrohlichen Vergiftungserscheinungen. Was sind die typischen Symptome und Anzeichen?

  • häufig sind Übelkeit mit Erbrechen und Durchfälle die ersten Anzeichen
  • es kann zu Sehstörungen und geweiteten Pupillen kommen. Ein besonderes Symptom hierbei ist, dass die Patienten gelb sehen.
  • der Blutdruck steigt am Anfang stark an, um dann genau ins Gegenteil um zuschlagen. Er fällt im weiteren Verlauf stark ab.
  • Herzrhythmusstörungen können auftreten. Hierbei kommt vor allem ein sehr langsamer Herzschlag (Bradykardie) vor.
  • in hohen Dosen kann es zur Bewusstlosigkeit und einem Herzstillstand kommen. Besonders Patienten mit Vorerkrankungen am Herzen sind hier betroffen.

Haut- und Augenkontakt und vermeiden

Gerade der Pflanzensaft kann hier zu Problemen führen. Einmal mit der Haut in Kontakt getreten, können Hautreizungen und sogar richtige Entzündungsreaktionen entstehen. Schützen Sie sich mit wasserundurchlässigen Handschuhen, wenn Sie im Garten mit Maiglöckchen in Kontakt kommen.

Auch wenn der Saft in die Augen kommt, kann es zu schmerzhaften Reizungen und Entzündungen kommen. Hier sollte ein Augenarzt aufgesucht werden.

Erste Hilfe und Maßnahmen

  • Bei dem Verdacht einer Vergiftung ohne schwere Symptomatik bitte unverzüglich einem Arzt vorstellen oder beim Giftnotruf anrufen. Der Giftnotruf wird Ihnen weitere Anweisung geben.
  • Bei schwerer und lebensbedrohlicher Symptomatik, bitte sofort unter der 112 den Notarzt verständigen.
  • Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes führen Sie bitte lebensrettende Sofortmaßnahmen durch.
  • Sollte ein Hautkontakt erfolgt sein, dann bitte gründlich die Hände waschen. Bei Kontakt mit den Augen, sofort eine Augendusche durchführen.

Verwechslung mit Bärlauch – Vorsicht beim Sammeln!

Bärlauch ist gerade im Frühjahr und Frühsommer eine oft verwendete Speisepflanze. Egal ob im Pesto, Salat oder getrocknet als Gewürz. Viele Vergiftungen mit Maiglöckchen passieren durch die Verwechslung mit Bärlauch. Auch getrocknetes Maiglöckchen behält hierbei seine Giftigkeit bei. Beide Pflanzen schauen sich zum Verwechseln ähnlich und bevorzugen die gleichen Standorte. Sie schätzen regelrecht die gemeinsame Gesellschaft.

Der entscheidende Unterschied liegt im Geruch. Wenn Sie Bärlauch zwischen den Fingern zerreiben, riecht dieser knoblauchartig und lauchig. Wenn Sie sich nicht 100% sicher sind, dann sollten Sie lieber auf die Mahlzeit verzichten.

Daneben kann es auch zu einer Verwechslung und Vergiftung mit der Herbstzeitlosen kommen. Die Blätter dieser 3 Pflanzen sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Hier einmal die Blätter der 3 Pflanzen im direkten Vergleich. Prägen Sie sich das Bild gut ein, wenn Sie selbst Bärlauch pflücken gehen. 

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