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Die meisten Menschen verbringen den ganzen Tag auf dem festen und sicheren Boden, doch die Erde besteht zu 70 % aus Wasser. Diejenigen, die den festen Boden gegen das kühle Nasse ausgetauscht  und mit dem Tauchen angefangen haben, entdecken meistens eine Leidenschaft für sich. Egal wo getaucht wird, ob in den heimischen Seen oder doch im Urlaub, das Tauchen ist ein Hobby, welches richtig vorbereitet werden sollte. Denn sonst kann es auch schnell zu einem Tauchunfall kommen. Natürlich denken viele beim Tauchen an einen weißen Sandstrand, tiefblaues Wasser, Urlaubsstimmung, nette Menschen und die Aufregung, was einem beim nächsten Tauchgang begegnen wird. Ob es die Faszination für Nacktschnecken oder doch die Riffhaie sind, Unterwasser ist für jeden etwas geboten. Wir möchten Ihnen wertvolle Tipps an die Hand geben, damit Sie Tauchunfälle vermeiden können.

Tauchunfälle verhindern – die Vorbereitung startet bereits Zuhause

Viele sehen das Tauchen als eine entspannte Sportart an, bei dem nur ein bisschen geschwommen wird ohne jeglichen Aufwand. Jedoch ist auch das Tauchen eine Sportart, bei der bereits zuvor körperlich trainiert werden sollte. Denn es ist eben nicht nur das „planschen im Wasser“, sondern es gehört auch das Tragen von Material dazu. Je besser die körperliche Fitness ist, desto besser ist der Verbrauch des Atemgemisches Unterwasser. Deswegen sollten bereits Zuhause eine körperliche Fitness und auch mentale Fitness trainiert werden, um einen unnötigen Tauchunfall zu vermeiden.

Der Bleigurt und das Heck des Bootes – eine lebensgefährliche Kombination

Eine der wichtigen Grundregeln vor allem für Anfänger ist, dass niemals mit angelegtem Bleigurt am Ende des Bootes gestanden wird. Falls das Schiff durch eine Welle stark bewegt wird oder die Person das Gleichgewicht verliert, würde diese ins Wasser fallen. Ist dabei die Tauchausrüstung noch nicht angelegt, sinkt die Person schnell nach unten in die Tiefe. Der erfahrene Taucher würde jetzt seinen Bleigurt öffnen und zur Wasseroberfläche schwimmen. Leider wird der Anfänger wahrscheinlich nicht so entspannt reagieren. Die meisten fangen an durch den entstehenden Druck auf dem Ohr einen zügigen Druckausgleich zu machen und sinken immer schneller ab. Die meisten Unfälle dieser Art enden tödlich, wobei sie durch gutes Vorwissen und Achtsamkeit vermeidbar wären.

Deswegen bitte nicht mit einem angelegten Bleigurt am Heck des Bootes rumlaufen. Außerdem sollte das Ende des Gurtes nicht unter den Gurt eingesteckt werden, sondern immer schnell greifbar zum Öffnen sein.

Ausrüstung gut checken – technische Mängel können schnell zum Tauchunfall führen

Sie fliegen in den warmen Süden, um dort einen Tauchurlaub zu machen und möchten nicht Ihre komplette Ausrüstung mitnehmen, sondern leihen sich das Equipment in der Tauchbasis vor Ort, genauso wie viele andere Taucher. Als verantwortungsbewusster Taucher checken Sie das Equipment vor dem Tauchgang erneut, ob alles fest angeschlossen, die Druckanzeige an der Flasche und ob die Flasche aufgedreht ist. Leider interessiert sich ein Teilnehmer aus der Gruppe nur dafür die besten Fotos von sich selbst und der Umgebung zu machen. Sie begeben sich mit dem Fotovernarrten Teilnehmer und Ihrem Tauchbuddie in das Wasser und beginnen den Abstieg.  Als Sie auf 18 Meter angekommen sind, fragen Sie die anderen Tauchbuddies nach deren Restdruck in der Flasche. Der Erste deutet Ihnen 180 bar, der zweite 190 bar und die dritte Person zeigt Ihnen panisch 20 bar an. Ein Szenario das leider immer wieder passiert, wenn die Tauchteilnehmer nicht ordnungsgemäß das Material checken. Natürlich würde bei diesem Szenario dann die Person mit einer fast leeren Flasche an den Oktopus einer anderen Person gehen und gemeinsam würde der Aufstieg beginnen. Das ist ein Fall, der auch ohne tödliche Folgen ausgehen kann, jedoch ist damit dieser Tauchgang für den Tauchbuddie beendet. Deswegen bitte immer das Equipment vor jedem Tauchgang ordnungsgemäß checken, sodass nicht bei einem Wiederholungstauchgang außerversehen eine fast leere Flasche angeschlossen wird.

Nehmen Sie sich vor jedem Tauchgang die Zeit und checken Ihr Equipment. Das ist Ihre Versicherung Unterwasser, damit Sie nicht ertrinken!

Der Tauchgang und die warme Dusche danach

Wasser leitet unsere Körperwärme deutlich besser als die Luft. Selbst bei Außentemperaturen von 22°C können wir im dünnen Pullover oder gar im T-Shirt ohne Probleme eine Stunde rumlaufen. Bei 22°C im Wasser kann ein Tauchgang von 60 Minuten jedoch sehr kalt sein.  Dadurch, dass bei einem Tauchgang ohne Strömung der Taucher sich nicht großartig bewegen muss, kühlt er durch die Wärmeleitung von Wasser deutlich schneller aus als an der Luft. Deswegen kann ein Tauchgang mit 22°C nach 60 Minuten sich sehr kühl anfühlen. Zurück auf dem Boot nutzen manche Taucher die warme Dusche, um sich wieder aufzuwärmen. Jedoch sollte die heiße Dusche vermieden werden, da die Gefahr besteht, dass durch die Wärme der Stickstoff ausperlt und es somit auch noch auf dem Boot zum Dekompressionsunfall kommt. Deswegen sollte nach dem Tauchgang nicht heiß geduscht werden. Sondern der Körper durch das Anziehen von warmer Kleidung auf dem Boot vor weiterem Wärmeverlust geschützt und ein warmer Tee getrunken bzw. eine warme Suppe gegessen werden.

Die Wiederholungstauchgänge und das Fliegen

Bei einem Tauchurlaub versuchen manche, möglichst das meiste aus dem Urlaub rauszuholen. Dabei werden bei einem Tauchurlaub von einer Woche möglichst viele Tauchgänge gepackt. Jedoch sollte wie durch die führenden Tauchorganisationen vermittelt, es vermieden werden innerhalb von 24 Stunden vor Abflug noch tauchen zu gehen. Das Atemgemisch des Tauchers enthält neben Sauerstoff auch Stickstoff. Dieses ist in der Atemluft und gelangt dadurch in das Blut. Durch den Kreislauf wird der Stickstoff im Körper zu den Organen transportiert und lagert sich auch in den Organen und dem Fettgewebe an. Der Stickstoff wird beim Aufstieg wieder gelöst und abgeatmet. Je nach Durchblutung der unterschiedlichen Gewebeformen geht das Lösen des Stickstoffs schneller bzw. langsamer. Das Fettgewebe wird sehr wenig durchblutet. Deswegen kann es nach dem Tauchgang auch noch zur Lösung des Stickstoffs aus dem Fettgewebe kommen. Wenn die Person dann fliegt, sinkt der Druck in der Luft und es kommt zum ausperlen des Stickstoffs und somit zur Dekompressionskrankheit im Flugzeug. Leider enden diese Vorfälle meistens tödlich. Deswegen sollte eine gewisse Zeit vor dem Flug nicht mehr getaucht werden, damit der Körper den Stickstoff weiter abbauen und abatmen kann.

Um einen Dekompressionsunfall auf dem Rückflug zu vermeiden, sollten Sie genügend Zeit zwischen dem letzten Tauchgang und dem Flug vergehen lassen. Dies ist vor allem bei Wiederholungstauchgängen wichtig, denn gerade dort lagert sich mehr Stickstoff im Körper an.

Der Flaschenwechsel und der Kollaps

Nachdem dem Vormittagstauchgang steigen Sie aus dem Wasser und sehen bereits wie die anderen Taucher noch in voller Montur die Tauchausrüstung für den Nachmittagstauchgang einsatzbereit machen und die Flasche wechseln. Dann sehen Sie wie einer der Taucher umfällt und kollabiert. Dieses Szenario passiert immer mal wieder  nach dem Tauchgang auf den Booten. Beim Tauchen wirkt keine Schwerkraft auf den Körper und somit kommt es zur Umverteilung des Blutes. Darauf reagiert der Körper mit einer gesteigerten Harnproduktion (Deswegen muss man nach dem Tauchgang auf die Toilette). Wenn die Person nun aus dem Wasser steigt, wirkt die Schwerkraft wieder voll auf den Körper und es kommt auch noch zusätzlich zum Flüssigkeitsverlust durch das Tauchen, zum Absinken des Blutes in den Beinen. Dadurch kommt es kurzzeitig zur Minderversorgung des Gehirnes und die Person kann kollabieren. Sobald die Person am Boden liegt, wird das Gehirn wieder mit Blut versorgt und die Person ist wieder ansprechbar, dies entspricht dem Kollaps. Die Gefahr dabei ist, ungünstig zu stürzen, beispielsweise mit dem Kopf gegen eine Flasche. Deswegen nach dem Tauchen sich erst um einen selbst und danach um das Material kümmern.

Falls die Person nicht ansprechbar ist, muss unbedingt eine Atemkontrolle erfolgen. Falls die Person noch atmet aber bewusstlos ist, wird sie in die stabile Seitenlage gedreht. Falls die Person nicht mehr atmet, wird mit der Herz- Lungen- Wiederbelebung begonnen.

Nehmen Sie sich die Zeit nach dem Tauchgang, damit der  Körper wieder auf die Schwerkraft reagieren kann und Sie nicht plötzlich umfallen. Sie können auch noch nach 10 Minuten Ihr Tauchequipment für den Nachmittagstauchgang einsatzklar machen.

Tauchunfall auf Ansage – Tauchen bei Infekten oder Erkältung

Es ist doch nur Schnupfen – das stört doch nicht beim Tauchen, denn mit Nasenspray geht es doch. Das ist eine Aussage die wir bereits öfters gehört und auch auf dem Boot bei dem einen oder anderen erlebt haben. Das Problem bei einer Infektion der Nebenhöhlen und Nase ist, dass es durch die Infektion zu einer Verengung der Lufthöhlen durch das Anschwellen des Gewebes kommt. Das führt auch zu einer Verengung der Eustachischen Röhre. Diese dient dazu, beim Tauchen Luft vom Atemweg in das Mittelohr zu bekommen. Im Alltag machen wir dies automatisch und es findet eine optimale Zirkulation statt. Das Problem ist, beim Tauchen wird durch die Tiefe die Luft komprimiert. Da das Mittelohr aus einer Knöchernen Struktur und dem Trommelfell begrenzt wird, kann sich die knöcherne Struktur nicht zusammenziehen. Deswegen verspüren wir einen Druck und Beginnen den Druckausgleich durch verschiedene Manöver, um damit Luft durch die Eustachische Röhre in das Mittelohr zu pressen. Falls der Druckausgleich nicht erfolgt, könnte im schlimmsten Fall das Trommelfell reisen. Leider kann bei einer Infektion im Hals-Nasen-Ohren-Bereich die Eustachische Röhre, durch die Schwellung, verengt sein. Damit wäre ein Druckausgleich nur schlecht möglich. Deswegen sprühen manche Taucher das Nasenspray vor dem Tauchgang, um die abschwellende Wirkung zu nutzen. Leider hat dies nur eine begrenzte Wirkdauer und es kann bereits während dem Tauchen zu einem Wirkungsverlust kommen. Dadurch kann die Luft beim Aufstieg wieder schlecht aus dem Mittelohr entweichen und es kommt zu einem schmerzhaften Tauchunfall mit dem Riss des Trommelfells durch den Überdruck. Deswegen sollte bei einer Infektion des HNO-Bereiches nicht getaucht und bis zum Abklingen der Infektion gewartet werden.

Fit für den Tauchnotfall – schützen Sie sich und Ihren Tauchbuddie

Tauchen ist eine unfassbare schöne und beeindruckende Sportart. Dabei ist zu beachten, dass es ein Teamsport ist. Deswegen sollten Sie immer auf sich und Ihren Tauchpartner achten. Sinnvollerweise sollten regelmäßig Notfalltrainings besucht werden, um bestens für einen Tauchunfall gerüstet zu sein. Bis weitere Hilfe auf dem Boot eintrifft kann es je nach Örtlichkeit dauern. Durch das regelmäßige Üben, kann dann während dieser Wartezeit Ihrem Tauchbuddie optimal geholfen werden. Wichtig ist auch, falls Sie sich oder Ihr Buddie nicht fit fühlen, sollte lieber ein Tauchgang ausgesetzt werden, denn der nächste Tauchgang kommt dann bestimmt.

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