Draußen tobt ein Herbststurm und Sie schlafen tief und fest. Plötzlich schrecken Sie mitten in der Nacht auf, weil ein lauter bellender Husten aus dem Kinderzimmer kommt. Ihr kleiner Nachwuchs steht am Gitterbett und schaut Sie mit ganz großen Augen an. So oder so ähnlich schaut ein klassisches Notfallbild im Herbst und Winter aus. Ihr Kind hat einen Pseudo Krupp Anfall. Alles was Sie zum Thema Pseudo Krupp wissen müssen, finden Sie in unserem Beitrag und in unserem Lehrvideo.

Auslöser und Ursache – die bösen Erkältungsviren

Die häufigsten Auslöser sind normale Erkältungsviren und Viren, die sich ein Kleinkind und Baby überall einfangen können.  Besonders häufig führen Parainfluenza-Viren (circa 75%), RS-Viren (Respiratorisches Synzytialvirus), Rhinoviren und Enteroviren zu einem Krupp. Auch die klassischen Influenza-Viren können hier die Ursache darstellen. Selbst Masern können zu einem sogenannten Masern-Krupp führen. Bakterielle Erreger lösen dieses Notfallbild eher selten aus. Daneben kann es auch bei Allergien zu einem Anfall kommen, wobei wir dann vom Allergie-Krupp sprechen.

Wie kommt es zum Krupp-Syndrom?

Die Krankheitserreger führen zu einer Kehlkopfentzündung mit einer Schwellung der umliegenden Schleimhäute. Besonders sind hier die Schleimhäute der Luftröhre unterhalb der Stimmbänder betroffen. Nicht jede Infektion mit den oben genannten Viren, muss zwangsläufig in einem Krupp-Syndrom münden. Häufig bleibt es bei einer viralen Erkältung ohne Schleimhautschwellung.

Stellen Sie sich Ihre Luftröhre als Gartenschlauch vor und die Luftröhre von Ihrem Kleinkind oder Baby als Strohhalm. Eine Schleimhautschwellung von wenigen Millimetern wird bei uns Erwachsenen zu keiner großen Symptomatik führen. Bei einer dünnen Luftröhre führt diese Schwellung zu den typischen Symptomen.

Gerade im Herbst und Winter sind viele Erkältungsviren unterwegs. Und genau diese Erkältungsviren lösen einen Pseudo Krupp Anfall aus. Daher immer gut auf die eigene Hygiene achten. Auch als Eltern können wir unsere Kinder mit einer Erkältung anstecken. 

Wann treten die Anfälle auf?

Es gibt mehrere Faktoren, die ein Auftreten von einem Pseudo Krupp Anfall beeinflussen können:

  • Häufig treten die Anfälle in den Herbst- und Wintermonaten auf, eben typischerweise in Erkältungsmonaten. Allerdings kann es auch im Sommer oder Frühjahr zu diesem Notfallbild kommen.
  • Klassischerweise kommt es am späten Abend oder in der Nacht zu einem Pseudo Krupp. Er kann aber auch am Tag beobachtet werden.
  • Auch beim Geschlecht gibt es eine Häufigkeitsverteilung. Jungs erleiden fast doppelt so häufig einen Anfall, wie Mädchen.
  • Die meisten Anfälle treten bei Babys und Kinder im Alter von 3 Monaten bis zu circa 5 Jahren auf. Der Altersgipfel liegt bei 1,5 Jahren. Kinder über 5 bis 6 Jahren haben einen größeren Luftröhrendurchmesser und eine Schleimhautschwellung führt nicht mehr zur Symptomatik.
  • Die Statistik zeigt, dass übergewichtige Kleinkinder und Babys ebenfalls häufiger betroffen sind.

Kann sich ein Pseudo Krupp wiederholen?

Generell erleiden circa 10% der Babys und Kleinkinder einen Pseudo Krupp. Zum Glück bleibt es meist bei einem milden bzw. leichten Verlauf. Leider kann es zu wiederholten Anfällen kommen. Kinder die bereits in der Vergangenheit einen Pseudo Krupp hatten, sind sogar besonders gefährdet. Bei wiederholenden Symptomen kann der Kinderarzt Medikamente verschreiben, die die Eltern bei einem Notfall verabreichen können. Außerdem gibt es ein familiäres Risiko.

Erkennen und Symptome – der bellende Husten

Durch die Schwellung der Schleimhäute entstehen die typischen Symptome, an denen Sie einen Pseudo Krupp erkennen können:

  • Trockener, harter und bellender Husten mit regelrechten Hustenattacken. Meistens werden die Eltern durch diesen bellenden Husten auf ihr Kind aufmerksam.
  • Bei der Einatmung kann es zu einem pfeifenden und zischenden Atemgeräusch kommen.
  • Der Atemweg ist verengt, daher bekommt Ihr Kind schwer Luft und kann eine Atemnot entwickeln.
  • Bei schweren Anfällen kann es zu Einziehungen bei der Einatmung zwischen den Rippen oder über dem Brustbein kommen. Auch das Nasenflügeln ist ein Zeichen der akuten Luftnot.
  • Eine bläuliche Verfärbung (Zyanose genannt) der Lippen und der Finger ist ein Zeichen von einem Sauerstoffmangel und deuten auf einen schwereren Verlauf hin.
  • Eventuell besteht eine erhöhte Temperatur und Symptome eines Infektes, vor allem der oberen Atemwege.
  • Wird Ihr Kind während des Anfalls mit Atemnot oder/und Zyanose schläfrig? Auch dies ist ein Zeichen eines akuten Sauerstoffmangels und ebenfalls ein Anzeichen für ein schweres Stadium.
  • Das Kind ist nicht hochfiebrig und macht keinen stark reduzierten Eindruck. Ein schwerkrankes Kind mit hohem Fieber würde eher für eine sogenannte Epiglottitis sprechen.

Gefährlich und ansteckend?

Beide Fragen bekommen wir häufig in unseren Seminaren gestellt. Im schlimmsten Fall kann ein Pseudo Krupp sogar lebensbedrohlich werden und Ihr Kind kann einen massiven Sauerstoffmangel erleiden. Allerdings sind die meisten Anfälle leichterer Natur und nicht lebensgefährlich. Sollten Sie sich jedoch unsicher in dieser Situation sein, gilt im Zweifel immer: „Lieber einmal zu viel den Notruf verständigt, als einmal zu wenig“.

Da der Pseudo Krupp in der Regel durch Erkältungsviren ausgelöst wird, sind diese selbstverständlich auch ansteckend. Hier ist es wichtig präventiv auf eine gute Hygiene zu achten. Der Pseudo Krupp per se ist nicht ansteckend, da es nicht bei jeder Erkältung zu einem Anfall kommt. Er ist sozusagen eine eventuelle Begleiterscheinung des Infektes.

Behandlung durch die Eltern und Erste Hilfe – was hilft?

Was können Eltern an Erste Hilfe Maßnahmen einleiten und was hilft wirklich?

  • Ganz wichtig, beruhigen Sie ihr Kind. Je ruhiger Ihr Baby oder Kleinkind ist, desto geringer wird die Atemnot.
  • Bleiben Sie selbst ruhig, Angst und Unruhe übertragen sich auf das Baby und können zu Verschlimmerung der Symptome führen. Die meisten Anfälle sind leichterer Natur und verursachen keine Komplikationen oder Folgeschäden.
  •  Wie bei jeder Atemnot gilt es den Oberkörper aufzurichten, sodass Ihr Baby oder Kind besser atmen kann.
  • Kalte Luft ist das Zauberwort, denn dies hilft effektiv beim Pseudo Krupp. Hierdurch wird die Schwellung vermindert und die Symptome verbessern sich. In kühlen Nächten können Sie sich mit Ihrem Kind an ein Fenster stellen oder vor die Türe gehen. Hierbei bitte auf die passende Kleidung achten.
  • Eine laue Sommernacht? Dann setzen Sie sich mit Ihrem Kind vor den geöffneten Kühlschrank, hierdurch kann Ihr Kind die kalte Luft einatmen.
  • Bei schweren Fällen oder akuter Atemnot unverzüglich den Rettungsdienst verständigen
  • Kommt es zur Bewusstlosigkeit mit Atmung, dann ist die stabile Seitenlage die richtige Erste Hilfe Maßnahme
  • Ihr Baby oder Kind hat keine Atmung mehr? Dann wird unverzüglich mit der Wiederbelebung begonnen.

Im Notfall perfekt geeignet für die Erste Hilfe – unser Kühlschrank. Die kalte und feuchte Luft aus dem Kühlschrank sorgt dafür, dass die Schleimhautschwellung zurück geht und die Symptome besser werden. 

Badezimmer und Dusche – ein gefährlicher Mythos

Ein Mythos der leider immer noch in der Welt umher geistert ist das Badezimmer. Man hört immer wieder, dass das Kind in das Badezimmer gebracht und die Dusche angemacht werden soll. Die feuchte warme Luft wird die Durchblutung der Schleimhaut verstärken. Hierdurch wird die Schwellung und somit die Symptomatik verstärkt. Daher niemals warme und feuchte Luft bei einem Pseudo Krupp anwenden!

Ab wann muss mein Kind zum Arzt oder in die Klinik?

Bei schwerer und deutlicher Atemnot gilt es immer sofort den Rettungsdienst zu rufen und Erste Hilfe Maßnahmen einzuleiten. Auch wenn es selten vorkommt, gibt es immer wieder lebensbedrohende Verläufe, die schnell durch den Notarzt und durch den Rettungsdienst therapiert werden müssen. Eine Zyanose, die nicht durch Kälte verursacht wird, ist immer ein Zeichen für einen schwereren Verlauf.

Generell sollte jeder Pseudo Krupp durch einen Kinderarzt oder durch eine Klinik abgeklärt werden. Dies gilt auch bei leichteren Verläufen, welche die Eltern ohne Notarzt händeln können. Ein Arzt kann immer weitere Ursachen ausschließen, die zu dieser Symptomatik führen können. Auch kann eine zukünftige Therapie für zu Hause verschrieben werden. Die Entzündung kann sich ausbreiten und zum Beispiel das Mittelohr befallen. Eine bakterielle Ursache kann einen Etagenwechsel vollziehen und zu einer Lungenentzündung führen. Alles weitere Gründe, die für eine ärztliche Abklärung sprechen.

Vorbeugen und Prävention – Passivrauchen vermeiden

Ein Risikofaktor für einen Anfall ist das so genannte Passivrauchen in der Wohnung. Neben dem Pseudo Krupp können in Raucherwohnungen noch weitere Krankheiten entstehen, wie zum Beispiel Asthma. Aus diesem Grund sollte strikt auf das Rauchen verzichtet werden, nicht nur um einem Pseudo Krupp vorzubeugen.

Zum Vorbeugen hilft generell alles, was auch gegen eine Erkältung hilft. Viele Sparziergänge an der frischen Luft, gesunde Ernährung und konsequente Handhygiene.

Medikamente für daheim – ein Zäpfchen für den Notfall

Bei wiederkehrenden Anfällen, kann der Kinderarzt Medikamente für zu Hause verordnen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Kortison-Zäpfchen, kortisonhaltigen Saft oder inhalative Medikamente, die die Eltern im Notfall verabreichen können. Kortison wirkt zum einen gegen die Entzündung und auf der anderen Seite vermindert es die Schleimhautschwellung. Zögern Sie bitte bei einem schweren Anfall nicht ein verschriebenes Kortison-Zäpfchen zu verabreichen. Kortison beginnt erst nach circa 30 Minuten effektiv zu wirken. Ein Zögern kostet somit Zeit.

Einteilung in verschiedene Schweregrade

Ein Krupp Syndrom kann in verschiedene Schweregrade eingeteilt werden. Von leichten Symptomen bis zum lebensbedrohlichen Zustand. Eine genaue Erklärung der verschiedenen Schweregrade finden Sie in unserem Lehrvideo.

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Bei Beschwerden und Symptomen wenden Sie sich bitte persönlich an einem Arzt. Bei bedrohenden Notfällen rufen Sie bitte unverzüglich unter der 112 den Rettungsdienst.

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