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Wie kann ich eigentlich eine Zecke richtig entfernen? Jeder kennt die kleinen Insekten und viele von uns hatten bereits unliebsame Erfahrungen mit ihnen. Weltweit gibt es circa 900 Zeckenarten. Wobei bei uns vor allen der gemeine Holzbock (eine Schildzecke) vorkommt. Das Problem bei Zecken ist, dass sie auch Überträger vieler Krankheiten sind. Manche Infektionen nach dem Kontakt durch einen Stich der Zecke können dabei sogar einen lebensbedrohlichen Verlauf haben. Daher wollen wir Ihnen einen umfassenden Einblick zu diesem Thema geben. Zecken richtig entfernen, Zeckenkarte, Zeckenpinzette, Zecken in der Schule und im Kindergarten, sind nur einige Themen, die wir intensiv aufgearbeitet haben.

Zeckenbiss oder Zeckenstich – wie zapfen uns die kleinen Plagegeister an?

Es wird im allgemein immer vom Zeckenbiss gesprochen, obwohl uns die Zecken genau genommen stechen. Es ist egal, ob Sie von einem Biss oder Stich sprechen, solange Sie die Zecke schnell und richtig entfernen.

Die Zecke besitzt einen speziellen und mit Widerhaken besetzten, Stechapparat. Mit dem sogenannten Hypostom wird die Haut durchstochen und ein kleines Blutgefäß gesucht. Beim Stechen sondert die Zecke ein spezielles Speichelsekret ab, welches die Einstichstelle betäubt. Dadurch bemerken wir nicht, dass wir gerade angezapft werden. Das Sekret enthält zusätzlich Stoffe, die unsere Gefäße weiten, die Blutgerinnung lokal hemmen und entzündungshemmend wirken.

Zu welcher Jahreszeit und an welchen Orten lauern Zecken auf uns?

Viele glauben noch, dass Zecken vor allem im Wald oder außerhalb von Wohngebieten zu finden sind. Leider weit gefehlt, denn einer der häufigsten Orte, um sich eine Zecke zu holen sind unsere heimischen Gärten. Zecken sind passive Jäger. Deswegen warten sie bis ein potentielles Opfer verbeikommt, um sich festzukrallen. Sie lauern gerne im Gebüsch, in dichten Blumenbeeten, im Gestrüpp der Hecken oder in der Nähe von Komposthäufen.

Die magische Temperaturgrenze liegt bei 5-7 Grad. Falls es kälter wird fallen Zecken in eine Art Kältestarre. Sobald die Temperatur mehrere Tage über dieser Grenze liegt, werden sie wieder aktiv und wir müssen mit ihnen rechnen. Gerade die Monate von März bis Oktober sind prädestiniert für Zecken. Da die letzten Winter eher mild waren, gibt es eine große Population, die sich schon früh im Jahr auf die Lauer legt.

Leider sind wir auch in den Bergen nicht von ihnen verschont. Denn sie kommen mittlerweile bereits bei über 2000 Höhenmeter vor. Somit kann auch die Brotzeit auf der Bergwiese einen Zeckenstich zur Folge haben.

Der gemeine Holzbock – eine Gefahr für Kleinkinder und Kinder

Gerade Kinder spielen gerne im Gebüsch und laufen beim Spielen durchs hohe Gras. Genau das sind die Orte, in denen sich Zecken gerne aufhalten. Auch krabbelnde Kleinkinder und im Gras liegende Säuglinge sind ein leichtes Ziel für den Holzbock.

Zecken fachgerecht und richtig entfernen – Zeckenkarten, Zeckenzange und Zeckenschlingen

Es gibt unterdessen viele Hilfsmittel auf dem Markt, die helfen sollen die kleinen Blutsauger richtig zu entfernen. Einige eignen sich hervorragend und andere Hilfsmittel eher nicht so gut.  Wichtig hierbei ist, dass der Zeckenkörper nicht gequetscht wird, da sonst mit der Köperflüssigkeit Keime in den Menschen gelangen.

Wichtige Grundsätze beim Entfernen

  • Immer langsam am Zeckenkörper ziehen. Bei schnellen und ruckartigen Bewegungen reißt häufig der Stechapparat ab und bleibt in der Wunde. Eine Entzündung könnte hierbei die Folge sein.
  • Keine Drehbewegungen durchführen, denn Zecken haben kein Gewinde. Ansonsten kann auch hier der Stechrüssel in der Wunde verbleiben.
  • So nah wie möglich an der Haut greifen. Falls Sie zu weit hinten greifen, werden Sie die Zecke ausquetschen und den Stechapparat wieder rum ausreißen.
  • Falls Sie einen Blutsauger entfernt haben, könnten dort noch mehr sein. Suchen Sie sich und Ihre Kinder gründlich ab.

Richtiges Entfernen mit der Zeckenzange 

Bei Zeckenzangen ist es wichtig, dass diese möglichst spitz zulaufen. Modelle mit breiteren Zangen führen schnell dazu, dass es zum Ausquetschen kommt. Den kleinen Sauger ganz vorne mit der Pinzette greifen und anschließend senkrecht zur Haut nach oben ziehen. Dabei langsam und ohne Drehbewegungen die Zecke entfernen!

 

 

 

Mit dem Zeige- und Mittelfinger zu Beginn die Haut straffen. Dann mit der Zeckenzange möglichst nah an der Haut die Zecke greifen. In einem 90 ° Winkel zur Haut die Zecke senkrecht nach oben ziehen. Bitte die Zecke vorsichtig und nicht ruckartig heraus  ziehen. Ansonsten könnte der Stechapparat abreißen und in der Haut bleiben. 

 

 

 

Diese Zeckenzange ist nicht optimal für das Entfernen geeignet. Durch die Form der Zange kann die Zecke nur schwer hautnah gegriffen werden. Die Folge ist, dass der Zeckenkörper gequetscht wird und so mehr Krankheitserreger übertrage werden.

Zeckenkarte – immer griffbereit im Geldbeutel 

Viele Zeckenkarten passen in das Kartenfach im Geldbeutel. Somit haben Sie immer eine Zeckenkarte für den Notfall dabei.

Die Zeckenkarte flach auf die Haut legen und in dieser Stellung an die Zecke schieben. Die Zecke muss in die Aussparung eingefädelt werden. Die Karte mit einer langsamen Bewegung weiterführen und leicht nach oben ziehen.

 

 

 

 

Zuerst mit dem Zeige- und Mittelfinger die Haut fixieren und straffen. Dann die Zeckenkarte möglichst nah auf die Haut auflegen. Hierbei darauf achten, dass die Karte parallel zur Haut ist. Nun die Zecke in dem Schlitzt der Karte einfädeln. Danach die Zecke mit einem langsamen Zug nach schräg oben und nach vorne heraus ziehen. Bitte die Zecke vorsichtig und nicht ruckartig heraus ziehen.

Zecken mit der Zeckenschlinge loswerden 

Hierbei legen Sie die Schlinge über den Blutsauger.  Sie sollten darauf achten, dass die Schlinge hautnah liegt. Anschließend die Schlinge zu ziehen und senkrecht zur Haut nach oben ziehen.

Was wenn der Kopf in der Haut stecken bleibt?  

Der steckengebliebene Kopf ist ein Mythos. Denn die Zecke sticht mit ihrem Stechapparat. Dieser kann schon einmal abreißen und in der Haut verbleiben. In der Regel kommt es zu einer kleinen Hautirritation und der Stechapparat wird vom Körper innerhalb der nächsten Tage „abgestoßen“. Sollten Zeichen einer massiveren Entzündungsreaktion auftreten (Schmerz, Schwellung, Rötung und Überhitzung), bitte beim Arzt vorstellig werden.

Die Zecke wurde fachgerecht entfernt – was ist weiter zu beachten?

Die Einstichstellen die nächsten Wochen auf Anzeichen einer Borreliose (ausführliche Beschreibung ist im Bericht über Zeckenkrankheiten) kontrollieren. Sobald sich Hautveränderung zeigen, bitte umgehend einen Arzt aufsuchen. Das gleiche gilt bei den ersten Anzeichen einer FSME oder Entzündungsreaktion.

Was sollte ich mit dem entfernten Holzbock machen?

Nach dem erfolgreichen Entfernen der Zecke stellt sich die Frage, was mit der noch lebenden Zecke gemacht wird. Im Garten freilassen ist eher eine schlechte Idee. Denn sie wird sich nach der Blutmahlzeit vermehren. Das runter spülen in einer Toilette können Zecken überleben und sich danach ebenfalls vermehren. Deswegen bietet sich mechanisches Zerdrücken an. Hierbei tunlichst darauf achten, dass Sie nicht mit den Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen.

So bitte nicht! Wir räumen mit ein paar Mythen auf

Es kursieren leider immer noch einige Mythen über das Entfernen und Hausmittelgegen Zecken. Leider können diese dazu führen, dass das Infektionsrisiko deutlich erhöhet wird. Bitte niemals versuchen die Zecke mit Sekundenkleber, Ölen, heißen Gegenständen oder Giften zu töten. Dies alles führt dazu, dass die Zecke im Todeskampf noch mehr Erreger in den Menschen abgibt. Daneben können einige dieser Möglichkeiten zu Verletzungen und zur Schädigung der Haut führen.

Bitte auch mit einigen Zeckenzangen aufpassen, beziehungsweise erst gar nicht verwenden. Wenn die Zangenauflagen so groß sind, dass die Zecke gequetscht wird, führt dies dazu, dass deutlich mehr Erreger übertragen werden.

Dürfen Lehrer und Erzieherinnen Zecken entfernen? Vorgehen in Schulen und Kindergärten

Zecken sollten, wie oben angesprochen, schnellmöglich entfernt werden. Auch die gesetzlichen Unfallversicherungen sehen dies so und empfehlen das Entfernen durch Lehrer und Erzieherinnen. Hierzu müssen selbstverständlich geeignete Hilfsmittel vorhanden sein. Legen Sie am besten schriftliche das genaue Vorgehen bei einer Zecke fest und holen sich die schriftliche Einwilligung der Eltern für die fachgerechte Entfernung. Sollten die Eltern eine schriftliche Einwilligung verweigern, dann müssen diese bei einem Zeckenstich unmittelbar kontaktiert werden, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Bitte den Vorgang im Anschluss genau als Erste Hilfe Leistung dokumentieren. In unseren Erste Hilfe Kursen am Kind trainieren wir die fachgerechte Entfernung von Zecken.

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