Ihr Kind hat den ganzen Abend wild gespielt und kommt in der Nacht zu Ihnen ins Schlafzimmer, weil es „im Schritt so weh tut“. So kann sich eine Hodentorsion beziehungsweise Hodenverdrehung beim Kind zeigen. Da es sich hierbei um einen urologischen Notfall handelt, ist schnelles Handeln wichtig und kann den Hoden retten. Wir zeigen Ihnen die Ursache, die Symptome und die Therapie bei einer Hodentorsion auf.

Ursache einer Hodenverdrehung

Die Hodentorsion ist ein klassischer urologischer Notfall im Kindesalter. Der Altersgipfel liegt bei circa 12-13 Jahren. Auch Babys oder Erwachsene können davon betroffen sein.

Der Hoden dreht sich bei einer Hodentorsion um die eigene Achse. Hierdurch wird der Blutfluss im und vom Hoden unterbrochen. Die Folge ist, dass das Hodengewebe nicht mehr mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. Es beginnt abzusterben. Von einer inkompletten Torsion sprechen wir, wenn nur der venöse Abfluss gestört ist. Im Gegensatz dazu ist bei einer kompletten Hodentorsion der arterielle Zufluss und der venöse Abfluss nicht mehr intakt.

Bei Säuglingen und Kleinkindern liegt die Ursache häufig in nicht gut fixierten Hoden. Normalerweise sind die Hoden im Hodensack mit dem Nachbargewebe fixiert, sodass sie sich nicht verdrehen können. Bei schlechter Fixierung reicht eine ungünstige Bewegung und es kommt zur Hodentorsion. Gerade Kinder die an einem Hodenhochstand leiden sind hier besonders gefährdet.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist Sport die häufigste Ursache für eine Hodenverdrehung. Durch Aufprälle, Unfälle und strake Verdrehungen kommt es hier zum Notfall.

Wie kann man eine Hodentorsion feststellen? Die Symptome

  • Häufig plötzlich eintretender Schmerz im Hodensack sind das klassische Symptom. Die Schmerzen können teilweise sehr massiv sein
  • Ausstrahlung in die Leiste und Unterbauch sind häufig zu beobachten
  • Eventuell tritt durch die Reizung des Peritoneums (Bauchfell) eine Übelkeit mit Erbrechen auf.
  • Im Stehen ist der betroffene Hoden meist höher.
  • Ein weiteres Symptom ist die Farbe des Hodensacks. Der Hodensack kann rötlich oder livide verfärbt sein. Die klassische Fältelung ist häufig aufgehoben.
  • Das sogenannte Prehn-Zeichen ist negativ. Das bedeutet, dass die Schmerzen beim Hochheben des Hodens nicht besser werden. Bei einer Entzündung des Nebenhodens werden die Schmerzen deutlich besser.
  • In der Klinik wird eine Duplexsonografie durchgeführt, um die Durchblutung des Hodens zu prüfen. Bei einer Hodentorsion ist diese stark vermindert oder gar nicht mehr vorhanden.

Besonderheiten bei Säuglingen und Babys

Sie können sich leider noch nicht zu den Schmerzen äußern. Häufig lassen sie sich nicht mehr beruhigen und verweigern das Essen und Trinken. Schauen Sie sich einmal den Hodensack Ihres Babys an, ob Sie etwas Auffälliges bemerken. Generell sollte eine regelmäßige Inspektion beim Wicken zur Routine gehören.

Was passiert, wenn der Hoden abstirbt? Folgen einer Hodenverdrehung

Durch den Sauerstoffmangel stirbt das Gewebe ab. Bei einer kompletten Torsion besteht hier nur ein Zeitfenster von circa vier bis sechs Stunden. Bei einer inkompletten Torsion kann der Hoden länger gerettet werden. Falls während der Operation festgellt wird, dass der Hoden zu massiv geschädigt ist, wird dieser entfernt. Sobald beide Hoden entfernt worden sind, kommt es zur Unfruchtbarkeit.

Erste Hilfe Maßnahmen bei einer Hodentorsion

Bei der Ersten Hilfe spielt die Zeit einen enormen Faktor. Hier gilt es, dass Ihr Kind schnellstmöglich einer Kinderklinik zugeführt wird, um möglichst viel Gewebe zu retten. Was können Sie als Eltern machen, um aktiv Erste Hilfe zu leisten?

  • Ihr Kind hat starke Schmerzen, daher ist das Beruhigen eine wichtige Maßnahme
  • Versuchen Sie Ihr Kind in eine Lage zu bringen, in der die Schmerzen besser werden. Gegen Unterleibsschmerzen kann die Embryonalstellung helfen. Hierbei liegt Ihr Kind mit angezogenen Beinen auf der Seite.
  • Bitte versuchen Sie nicht NICHT den Hoden selbst wieder zu entwinden. Hierdurch könnte es sich verschlimmern.
  • Bei stärksten Schmerzen oder/und kollaptischen Kinder, bitte den Rettungsdienst verständigen.

Therapie in der Klinik

Nach der Diagnosestellung oder auch bei dem Verdacht wird der Hoden operativ freigelegt. Der Hoden wird gegen die Torsionsrichtung gedreht und somit wird die Durchblutung wiederhergestellt. Der Hoden wir anschließend fixiert (Orchidopexie), um einer weiteren Hodentorsion entgegen zu wirken. Dabei wird prophylaktisch meistens der andere Hoden auch fixiert.

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