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Das Kawasaki Syndrom bei Kindern tritt circa 300mal pro Jahr in Deutschland auf. Somit zählt es zu den sehr seltenen Erkrankungen. In den letzten Monaten wurde viel über das Kawasaki Syndrom im Zusammenhang mit einer Covid-19 Infektion diskutiert. Wir möchten Ihnen mit unserem Beitrag einen Überblick über diese Erkrankung geben.

Auslöser und Ursache

Das Syndrom wurde vor über 50 Jahren erstmals von dem japanischen Kinderarzt Tomisaku Kawasaki beschrieben. Die genaue Ursache für das Auftreten ist bis dato noch nicht abschließend geklärt. Als Auslöser werden Infektionen diskutiert, da das Syndrom häufig nach einer durchgemachten Infektion auftritt. Auch die genetische Komponente wird eine Rolle spielen, da Kleinkinder und Kinder aus dem asiatischen Raum häufiger betroffen sind.

Was passiert im Körper – die Vaskulitis

Durch eine überschießende Immunreaktion kommt es zu einer Entzündung der Wände unserer Blutgefäße, eine sogenannte Vaskulitis. Hiervon sind vor allem die kleinen und mittleren Arterien unseres gesamten Körpers betroffen. Gefährlich wird es dann, wenn auch die Herzkranzgefäße betroffen sind. Neben den Blutgefäßen können auch Organe und Gelenke betroffen sein.

Bei einem Kawasaki Syndrom sind viele Symptome durch die Entzündungen der Blutgefäße zu erklären. Besonders gefährlich wird es, wenn auch die Herzkranzgefäße betroffen sind. 

Kawasaki Syndrom und Covid-19 / Corona

In den Medien war häufiger zu lesen, dass Kinder mit einer Covid-19 Erkrankung auch an einem Kawasaki Syndrom erkranken. Vor allem in Amerika, England und der Lombardei mehrten sich die Fallberichte. Erste Untersuchengen und Studien zeigen allerdings, dass es sich hierbei häufig nicht um ein klassisches Kawasaki handelt. Die Symptome weichen bei vielen Patienten von den klassischen Kriterien ab. Daher spricht man unterdessen von einem Hyperinflammations-Syndrom. Sprich einem Syndrom, dass durch eine überschießende Immunreaktion ausgelöst wird. Und diese überschießende Immunreaktion kann durch eine Covid-19 Infektion ausgelöst werden.

Symptome und Anzeichen

Bitte liebe Eltern, nicht bei jedem fieberhaften Infekt an ein Kawasaki Syndrom denken. Es ist eine wirklich seltene Erkrankung und in der Regel hat das Fieber andere Gründe. Allerdings sollten Sie hellhörig werden, wenn folgende Anzeichen und Symptome vorliegen:

  • Hohes Fieber über mehrere Tage (in der Regel mindestes 5 Tage). Wenn eine Therapie mit Antibiotika begonnen werde sollte, wird das Fieber nicht relevant sinken.
  • Rötungen und Schwellungen der Hände und Füße, vor allem in den Handinnenflächen und an den Fußsohlen. Die Haut kann sich im Verlauf schuppen und regelhaft abschälen.
  • Rötungen und Entzündungen der Bindehäute
  • Fleckiger Ausschlag mit und ohne Pusteln. Vor allem im Rumpfbereich und im Bereich der Windeln / Intimbereich. Der Ausschlag kann auch einmal mit einer Maserninfektion verwechselt werden.
  • Trockene und aufplatzende Lippen und es kann zu einer geröteten Erdbeerzunge kommen
  • Geschwollene und schmerzhafte Lymphknoten im Halsbereich
  • Desweitere kann die Entzündungsreaktion innere Organe und Gelenke betreffen. Je nach Lokalisation kommen jetzt noch Schmerzen und Entzündungszeichen hinzu

Komplikationen und Gefahren 

Die Gefahr liegt vor allem in den Komplikationen des Herz-Kreislauf-Systems. Die Herzkranzgefäße sind hierbei besonders gefährdet. Es kann zu sogenannten Aneurysmen, sprich Aussackungen der Gefäßwände, kommen. Daneben kann sich eine Thrombose bilden, die zu einem Verschluss der Arterien führen kann. Diese Komplikationen können im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Herzklappen können ebenfalls betroffen sein. Hierbei ist vor allem die sogenannte Aortenklappe betroffen. Die Aortenklappe ist die Herzklappe zwischen der linken Herzkammer und der großen Brustschlagader (Aorta).

Therapie und Behandlung in der Klinik

Sobald der Verdacht besteht, dass bei einem Kind das Kawasaki Syndrom vorliegt, muss es stationär in der Klinik aufgenommen werden. In der Regel erfolgt die Behandlung in spezialisierten Zentren mit verschiedenen beteiligten Fachabteilungen. Nach der Diagnose sollte schnellst möglich mit einer Antikörpertherapie (Immunglobuline) begonnen werden. Diese Antiköper können die Entzündungsreaktionen einbremsen. Daneben erhalten die Patienten hochdosiert ASS. WICHTIG: Die ASS Gabe erfolgt ausschließlich durch ärztliches Personal. Je schneller die spezifische Therapie und Behandlung eingeleitet wird, desto geringer können die Folgeschäden ausfallen. Darüber hinaus wir das erkrankte Kind auf neu entstandene Klappenfehler untersucht, die bei Bedarf therapiert werden.

Prognose und Verlauf

Wenn die Therapie schnell eingeleitet wird, heilt die Erkrankung in der Regel ohne Folgeschäden aus. Vor allem die ersten 8 bis 10 Wochen sind entscheidend für die Prognose. Treten in diesem Zeitraum keine Herzsymptome auf, sind die Aussichten sehr gut. Sollten allerdings Herzsymptome auftreten, wird die Prognose durch die Verlaufsschwere beeinflusst. Unbehandelt sterben circa 2% der Kinder.

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