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Häufig werden wir in unseren Notfallschulungen in Arztpraxen zu diesem Thema angesprochen. Daher möchten wir Sie mit dem Beitrag über das Thema Sauerstoff in der Arztpraxis informieren und Ihnen wichtige Tipps im Umgang mit Sauerstoff mit auf den Weg geben.

Ist Sauerstoff in meiner Arztpraxis überhaupt sinnvoll und nötig?

Es gibt bis dato keine Vorschrift, die besagt, dass Sie Sauerstoff für die Notfallversorgung vorhalten müssen. Ist es dennoch sinnvoll? Aus unser Sicht JA. Der Sauerstoff kann bei vielen Notfällen lebensrettend für Ihre Patienten sein. Häufig hören wir das Argument, dass der Sauerstoff nie gebraucht wird. Hier verhält es sich wie mit dem Defibrillator, er wird extrem selten in der Arztpraxis verwendet, aber wenn doch, dann rettet er Leben.

Aufbau einer Sauerstoffeinheit

Eine Sauerstoffeinheit besteht immer aus mindestens 3 Elementen:

  • Der Sauerstoffflasche – in dieser befindet sich der unter Hochdruck stehende Sauerstoff. Da hier Drücke bis zu 200 bar erreicht werden, müssen die Flaschen eine dicke Wandstärke haben, dies erklärt das Flaschengewicht.
  • Druckminderer – durch diesen werden die hohen Drücke auf ein verwendbares Minimum reduziert. Durch das Manometer kann der Restdruck abgelesen und die Sauerstoffabgabe in Litern pro Minute eingestellt werden.
  • Sauerstoffabnehmer – wie Sauerstoffbrille oder Vernebler, sorgen dafür, dass der Patient den Sauerstoff erhält. Wichtig hierbei zu wissen ist, dass Sauerstoffmasken und Co. Einmalprodukte sind und nach jedem Patienten erneuert werden müssen. Denn in den Plastikschläuchen sammeln sich schnell Keime an.

Hier ist die Sauerstoffflasche und der Druckminderer zu sehen. Nun wird nur noch ein Sauerstoffabnehmer zum Verabreichen benötigt.

Lieber eine kleine Flasche oder eine größere Flasche anschaffen?

Das Hauptargument für eine kleine Flasche ist häufig das Gewicht. Eine Flasche mit einem Inhalt von 0,5 Litern ist deutlich leichter und auch kleiner als eine Flasche mit 2 Litern Inhalt. Die Sinnhaftigkeit verdeutlicht sich am Besten in einem Beispiel:

  • 0,5 Liter Flasche (0,5 Liter x 200 bar = 100 Liter) mit einem Flow von 10 Litern pro Minute ist nach 10 Minuten (100 Liter /10 Liter Flow) leer. Der Notarzt ist nicht unbedingt nach 10 Minuten in Ihrer Praxis.
  • 2 Liter Flasche (2 Liter x 200 bar = 400 Liter) mit einem Flow von 10 Litern pro Minute ist nach 40 Minuten (400 Liter/10) leer. Bis dahin sollte der Notarzt da sein.

Mit dem Rechenbeispiel möchten wir Ihnen zeigen, dass es sinnvoll ist eine größere Flasche zu wählen, damit genügend Notfallpuffer da ist.

Haltbarkeit von Sauerstoff – medizinischer Sauerstoff kann ablaufen

Sauerstoff zählt zu den Arzneimitteln und unterliegt somit selbstverständlich dem Arzneimittelgesetz. Nach diesem darf Sauerstoff nur maximal 3 Jahre nach Befüllung für medizinische Zwecke verwendet werden. Daher gehört auch der Sauerstoff auf die Check-Liste des Notfallmaterials. Optimalerweise suchen Sie sich einen Dienstleister für die Neubefüllung, der Sie zeitnah an die Ablaufdaten erinnert. Sie können die Flaschen selbst zum Dienstleiter bringen oder nutzen einen Austauschservice vor Ort. Wichtig, wenn Sie Flaschen selbst transportieren – Sauerstofflaschen gelten als Gefahrgut.

Mit welchen Kosten muss ich als Arztpraxis rechnen?

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen sich Sauerstoffe für Ihre Arztpraxis zuzulegen, spielt auch immer der Kostenfaktor eine wichtige Rolle. Wir haben etwas für Sie recherchiert und Mittelwerte von hochwertigem Material gebildet, damit Sie einen kleinen Überblick bekommen.

  • Druckminderer mit Druckanzeige circa 100,-
  • 2 Liter Flasche circa 100,-
  • Verneblermaske circa 1,-
  • Sauerstoffmaske circa 0,80,-
  • Sauerstoffbrille circa 0,50,-

Da die Sauerstoffflasche alle 3 Jahre neu befüllt werden muss, kommen noch circa 20 bis 30 Euro pro Neubefüllung auf Sie zu.

Ist Sauerstoff in meiner Arztpraxis gefährlich?

Immer wieder hört und liest man von einem explodierten Rettungswagen oder einer Explosion in einer Arztpraxis. In der Regel sind solche Unfälle auf die Missachtung von Sicherheitshinweisen und menschliches Versagen zurück zu führen. Wenn jeder im Team verantwortungsbewusst mit dem Thema Sauerstoff umgeht, sind Unfälle nahezu ausgeschlossen. Deswegen ist gerade bei neuen Auszubildenden wichtig, gleich von Anfang an ein Gefahrenbewusstsein zu schaffen und eine fachgerechte Einweisung durchzuführen.

Sicherheitshinweise im Umgang mit Sauerstoff

Bei dem Umgang mit Sauerstoff sind einige Sicherheitshinweise zu beachten. Einerseits sollte die Flasche nicht ohne Schutzkappe transportiert oder gar geworfen werden.

Andererseits sollte die Sauerstoffflasche im Notfallequipment fest fixiert sein. Dies soll vermeiden, dass die Flasche auf das Gewinde fallen könnte. Falls die Flasche auf das Gewinde fallen würde, könnte dieses abreißen und der Sauerstoff mit massivem Druck entweichen. Selbst beim Wechsel einer Flasche sollte der Transport auch über kurze Strecken mit der Sicherungskappe erfolgen. Zum Wechsel muss der Druck aus dem System gelassen werden (Flasche Zudrehen und den Sauerstoff ablassen). Danach kann das Gewinde des Druckminderers aufgeschraubt werden und an die neue Flasche gedreht werden. Bitte das Gewinde nicht einfetten oder gar mit einer Rohrzange festziehen. Es reicht, wenn dies handfest zugedreht wird. Bei jedem Umgang mit Sauerstoff ist stets zu beachten, dass Sauerstoff stark brandfördernd ist. Bitte niemals Zündquelle in der Nähe von Sauerstoff verwenden. (Keine Zigarette rauchen bei Inbetriebnahme des Sauerstoffs!)

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